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Ein Jahr nach den großen Protesten gegen die Regierung in Rumänien versammelten sich wieder viele Rumänen am Samstagnachmittag in den wichtigsten Städten des Landes. Die Proteste gegen die Angriffe auf die unabhängige Justiz im Vorjahr führten zu einem gewaltsamen Polizeieinsatz. 400 Personen mussten danach medizinisch versorgt werden. Heuer kamen die Demonstranten unter dem Motto "Wir wissen noch, was ihr letzten Sommer getan habt!" zusammen. Und diesmal reagierten manche Demonstranten bereits empfindlich auf die Anwesenheit von Polizisten in Bukarest und riefen Parolen gegen die Gendarmen.

Neben der Unterstützung von mehr Rechtsstaatlichkeit in dem osteuropäischen Land, waren auch die jüngst verübten Morde an zwei jungen Frauen heuer ein Thema. Viele Rumänen werfen den Behörden Versagen vor, weil sie trotz des Hilfeanrufs eines 17-jährigen Opfers, die Frau nicht rechtzeitig vor ihrem Mörder retten konnten. Auf dem Victoriei-Platz im Zentrum Bukarests wurde eine Art Altar für die beiden jungen Opfer errichtet. Die Polizei verteilte Zetteln, auf denen stand, dass die Demonstranten keinen Alkohol zu sich nehmen, dafür aber ausreichend Wasser trinken sollten. Sie wurden auch dazu aufgefordert, sich nicht in eine Menge zu drängen. Auch zahlreiche Sicherheitsüberprüfungen fanden statt.

Werben für Wiederwahl

Der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis nutzte den Jahrestag, um am Vormittag auf dem Universität in Bukarest für seine Wiederwahl im Herbst zu werben. Er erinnerte an die Gewalt im Vorjahr, als die Polizei Protestierende mit Tränengas und Stöcken angriff. "Ich möchte, dass das nie wieder passiert", sagte Iohannis. Die Ereignisse des letzten Jahres müssten aufgeklärt werden, forderte der konservative Politiker. Die sozialdemokratisch geführte Regierung ist in einer sehr angeschlagenen Situation – es könnte auch sein, dass die Koalition mit der liberalen Alde bald beendet wird. Regierungschefin Viorica Dăncilă tritt selbst bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober an, hat aber praktisch keine Chancen, auch gewählt zu werden. (Adelheid Wölfl, 10.8.2019)