Diabetiker müssen ihren Körper genau im Auge behalten. Dabei stellen sich viele Fragen.

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Frage: Warum habe ich Diabetes?

Antwort: Diese Frage stellten sich 700.000 Menschen in Österreich schon einmal – sie sind nach Angaben der Österreichischen Diabetischen Gesellschaft (ÖDG) erkrankt. Weltweit sind es 425 Millionen, Tendenz steigend. Die biochemische Antwort ist eindeutig: Beim Typ 2, der bei 95 Prozent der Diabetiker festgestellt wird, kann das kohlenhydrathaltige Essen mit dem körpereigenen Insulin nur ungenügend in lebenswichtige Energie umgewandelt werden. Viele Patienten brauchen deshalb Medikamente, sollten ihre Ernährung umstellen und mehr Sport machen.

Beim Typ-1-Diabetes hingegen hält der Körper die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse für Fremdkörper – und zerstört sie. Patienten müssen künstliches Insulin spritzen. Die Ursachen für den Ausbruch der Erkrankung sind vielfältig: Genetische Veranlagungen, Lebensstil, aber auch Umweltfaktoren können die Ursache sein. Was Diabetes konkret bedeutet: das Ringen mit Zahlen wie dem Langzeitwert Hba1c, einer Chiffre für die Blutzuckereinstellung.

Frage: Was bedeutet Langzeitwert, und wieso gilt er als wichtig?

Antwort: Für das Lesen von Blutbefunden braucht jeder die Hilfe von Ärzten oder Ärztinnen. Wer könnte sonst Kürzel entziffern und ihre Bedeutung interpretieren? Nehmen wir als Beispiel die Cholesterinwerte: Aufgrund der Zuckerkrankheit, die ohnehin ein Herz-Kreislauf-Risiko mit sich bringt, sollte der LDL-Wert niedriger als bei Patienten ohne Stoffwechselerkrankung sein. Häufig wird der Wert 100 mg/dl angegeben.

Im Zentrum jedes diabetischen Blutbefunds steht aber noch eine ganz andere Chiffre: Hba1c, ins Deutsche übersetzt heißt das "Langzeitwert" oder "Blutzuckergedächtnis". Das ist ein Richtwert für die Blutzuckereinstellung der vergangenen drei Monate. Gemessen wird die Menge an Zuckerhämoglobin, also Zucker, der am roten Blutfarbstoff bindet. Das macht er bei jedem Menschen, Gesunde haben maximal 5,6 Hba1c. Diabetes liegt vor, wenn der Wert bei 6,5 und darüber liegt. Wer unter 7,0 Hba1c hat, gilt als "gut eingestellt".

Frage: Was sagt der Wert Hba1c aus?

Antwort: Leider nicht alles über das Management der Erkrankung. Diabetiker, die künstliches Insulin spritzen oder insulinotrope Medikamente wie Glinide oder Sulfonylharnstoffe einnehmen (beides fördert die Insulinausschüttung), können in eine Unterzuckerung, eine sogenannte Hypoglykämie, geraten. Die Anzeichen sind unterschiedlich und äußern sich als Verwirrtheit, Schwitzen, Zittern oder Herzrasen. Es gibt Patienten, die bereits bei einem Blutzuckerwert unter 80 mg/dl solche Probleme bekommen. Warum es so weit kommt? Sie berechnen zu viel Insulin für die Menge an Kohlenhydraten (Broteinheiten), die sie essen, oder unterschätzen die Intensität des Sports, den sie betreiben – auch dadurch wird Zucker abgebaut.

Wer viele "Hypos" hat, kann Herz-Kreislauf-Probleme bekommen und "erkauft" sich bei gleichzeitig hohen Werten nach dem Essen einen guten Durchschnittswert Hba1c. Insofern muss man sagen: Wer unter 7,0 Hba1c liegt und wenig Hypos hat, ist "gut eingestellt".

Frage: Was macht ein vorbildlicher Diabetiker?

Antwort: Zuckerkranke sollten ihr Glukose-Gleichgewicht halten und so lange wie möglich mit ihren Werten im Zielbereich sein. Was das bedeutet, lernt man in Schulungen. Was anzustreben ist: Blutzuckerwerte zwischen 80 und 140 mg/dl.
Der Blutzuckerwert darf zwei bis drei Stunden nach dem Essen über dem Zielwert liegen, nicht länger. Er sollte aber auch nicht zu stark absinken, denn dann besteht die Gefahr eines Hypos.

Was hilft? Regelmäßiges Essen, keine zu üppigen Mengen an Kohlenhydraten in einer Mahlzeit und eine ausgiebige Flüssigkeitszufuhr. Außerdem sollte der Blutzucker regelmäßig kontrolliert werden. Ärzte beruhigen übrigens: Selbst wenn der Blutzuckerwert einmal zu hoch sein sollte, also bei etwa 180 bis 200 drei Stunden nach dem Essen, kann man als Patient noch ohne nachhaltige gesundheitliche Folgen gegenregulieren.

Frage: Was bringt Glucose-Monitoring?

Antwort: Diabetologen empfehlen heute, zusätzlich zum Hba1c auch den Faktor "Time in Range" (Zeit im Zielbereich) zu beobachten, das ist die Zeit, in der man weder über- noch unterzuckert ist. Dank neuer Glucose-Monitoring-Systeme ist das einfach umsetzbar. Sie bestehen aus einem Sensor, der nicht dicker als ein Haar ist und sich an der Unterseite eines kreisrunden Kunststoffteils befindet, und einem Scanner im Messgerät. Der Sensor wird durch eine Stempelung in das Unterhautfettgewebe im Oberarm eingeführt – in Normalfall nahezu schmerzfrei. Der Sensor bleibt dort dank des an der Haut festgeklebten Kunststoffs, und zwar 14 Tage lang. Danach wird der Arm gewechselt und ein neuer Sensor verwendet.

Mithilfe dieses Systems wird kontinuierlich der Zuckergehalt der Gewebsflüssigkeit gemessen. Nach dem Auslesen kann man Verläufe und Spitzen erkennen. Auf dem Display des Messgeräts lässt sich auch die Zeit im Zielbereich eruieren. Idealerweise sollte daneben 75 Prozent stehen. (Peter Illetschko, CURE, 7.10.2019)