Das Single-Comeback ging eher daneben. Andy Murray hat sich in Cincinnati über den einen oder anderen Fehler geärgert. Gefreut hat ihn seine Physis, er verspürte keine Schmerzen.

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Cincinnati – Andy Murray wollte die Besonderheit des Augenblicks unbedingt festhalten. Mit seinem Smartphone filmte er jene Sekunden, in denen er unter dem tosenden Jubel der Zuschauer erstmals seit den Australian Open wieder als Einzelspieler den Tennisplatz betrat. Sieben Monate Quälerei, Unsicherheit und Geduldsprobe nach seiner Hüftoperation hatten ein Ende. Nach dem ersten Herantasten im Doppel und Mixed machte der Schotte in Cincinnati sein Comeback perfekt. "Ich wusste nicht genau, was ich erwarten sollte", sagte Murray. Gegen den Franzosen Richard Gasquet verlor der dreimalige Grand-Slam-Champion und zweifache Olympiasieger 4:6, 4:6.

Das Ergebnis stand für den 32-Jährigen nicht im Vordergrund. "Es gab viele Dinge, die ich im Match gerne besser gemacht hätte. Aber man muss auch realistisch in den Erwartungen sein", sagte er. Die wichtigste Erkenntnis: Die Hüfte hält. "Physisch war alles okay." Nur die Beine seien am Ende des Matches "etwas schwer" geworden.

Dank einer Wildcard hatte sich Murray immerhin nicht durch die Mühlen der Qualifikation kämpfen müssen. Gleiches wäre für den ehemaligen Weltranglistenersten auch beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres möglich gewesen. Die Veranstalter der US Open in New York (ab 26. August) hatten ihm eine Wildcard angeboten, aber eine Entscheidung vor dem Gasquet-Match gefordert. Die Belastung möglicher Fünf-Satz-Matches war Murray jedoch ein zu großes Risiko. Stattdessen visiert er, wie bereits in Wimbledon, eine Teilnahme an der Doppel- sowie der Mixed-Konkurrenz an. Mit dem Spanier Feliciano Lopez hatte Murray das Rasenturnier im Londoner Queen's Club gewonnen. In Wimbledon bildete er ein vielbeachtetes Duo mit Serena Williams (Achtelfinale).

Wer in Flushing Meadows seine Partner sein werden, ist aber noch unklar. In den kommenden Wochen will Murray über weitere Einzelmatches wieder zu seiner Spielfitness zurückfinden, bereits am Turnier in Winston-Salem nächste Woche könnte er teilnehmen. Eine Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen.

Dass Murray überhaupt wieder Teil der Tour ist, schien im Jänner undenkbar. Bei den Australian Open in Melbourne verlor er unter Schmerzen und in fünf Sätzen sein Erstrundenmatch gegen den Spanier Roberto Bautista Agut, die Veranstalter widmeten ihm bereits eine emotionale Abschiedszeremonie samt Botschaften seiner Weggefährten. Auch Murray ging davon aus, nach seiner zweiten Operation an der maladen Hüfte seine glorreiche Karriere beenden zu müssen. Ein Irrtum, wie Sir Andy in Cincinnati bewies. Gasquet setzt übrigens gegen Dominic Thiem fort. (sid, red, 13.8.2019)