Jeffrey Epstein auf einer Zeichnung aus dem Gerichtssaal im Juli 2019.

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Nach dem mutmaßlichen Suizid des wegen Sexualverbrechen angeklagten Multimillionärs Jeffrey Epstein hat die 32-jährige Jennifer Araoz, eines seiner mutmaßlichen Opfer, Klage eingereicht. "Ich bin wütend, dass er mir nicht persönlich vor Gericht antworten muss. Aber mein Streben nach Gerechtigkeit fängt gerade erst an", schreibt sie in einer Kolumne für die "New York Times".

Araoz wirft Epstein vor, sie im Jahr 2002 vergewaltigt zu haben. Gegen dessen Erben, seine mutmaßliche Verbündete Ghislaine Maxwell und drei weitere namentlich nicht genannte Frauen reichte sie nun vor dem Obersten Gerichtshof des Bundesstaats New York Klage ein.

Ein am Mittwoch in Kraft getretenes Gesetz im Bundesstaat New York ermöglichte Araoz' Klage. Es gibt Opfern von Sexualverbrechen ein Jahr Zeit, um rechtliche Schritte einzuleiten, auch wenn die Tat bereits verjährt ist. Das neue Gesetz könnte eine regelrechte Klagewelle gegen Epstein und dessen mutmaßliche Komplizen zur Folge haben.

Karriere versprochen

Araoz zufolge sprach eine von Epsteins Komplizinnen sie im Alter von 14 Jahren vor ihrer New Yorker Schule an und stellte ihr in Aussicht, Epstein könne ihr zu einer Karriere als Schauspielerin verhelfen. Die ersten Treffen im Luxusappartement des Multimillionärs in Manhattan verliefen demnach ohne Zwischenfälle. Epstein habe sich ein oder zwei Stunden mit ihr unterhalten und ihr 300 Dollar in bar gegeben, berichtete Araoz.

Doch nach wenigen Wochen forderte er sie nach ihren Angaben auf, ihn zu massieren und ihr Oberteil auszuziehen. Die Übergriffe wurden demnach von Mal zu Mal schlimmer, schließlich habe er sie vergewaltigt. Sie habe die Besuche eingestellt und die Schule gewechselt. Erst nach Jahren habe sie über den Missbrauch sprechen können.

Wärter eingeschlafen

Epstein war am Samstagmorgen tot in seiner Gefängniszelle im Metropolitan Correctional Center im New Yorker Stadtteil Manhattan gefunden worden. Nach Angaben des Justizministeriums beging er offenbar Suizid. Wie am Mittwoch bekannt wurde, haben die zuständigen Justizwachebeamten, statt wie vorgesehen alle 30 Minuten nach dem Inhaftierten zu sehen, im Dienst geschlafen und Epsteins Zelle für rund drei Stunden nicht kontrolliert.

Der 66-Jährige soll jahrelang junge Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Bei einer Verurteilung hätten dem Ex-Investmentbanker, der gute Kontakte zu hochrangigen Politikern und Prominenten hatte, bis zu 45 Jahre Haft gedroht.

Nach Epsteins Tod ist Ghislaine Maxwell, die Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell, die Verdächtige Nummer eins. Mehrere Opfer werfen der 57-Jährigen vor, sie habe aktiv junge Mädchen rekrutiert, um Epsteins sexuelles Verlangen zu befriedigen. Seit Monaten ist sie untergetaucht. Die britische Zeitung "The Daily Mail" berichtete am Mittwoch, Maxwell befinde sich in Manchester-by-the-Sea im US-Bundesstaat Massachusetts. (APA, 14.8.2019)