Eine Berglandschaft? In diesem Fall eher ein Ergebnis von Herbert Brandls Faible für die ostasiatische Zen-Malerei.

Foto: Galerie Elisabeth & Klaus Thoman/Bernhard Sickert

Ein Held der Kindheit: Der Maler Herbert Brandl lässt jüngst auch nostalgische Referenzen in seine Kunst einfließen.

Foto: Lena Kienzer / Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Eine von Herbert Brandls satten Farbexplosionen auf Leinwand.

Foto: Galerie Elisabeth & Klaus Thoman/Lena Kienzer

Eine mit breitem Pinsel ausgeführte schwarze Linie auf weißem Grund reicht für ein ganzes Bergpanorama. Sie verläuft horizontal über die gesamte Bildbreite hinweg, schwingt sich unterwegs über steile Hänge hinauf, stürzt wieder in die Tiefe, sondert auf sanften Bergrücken satt Farbe ab und löst sich über einem scharfen Grat fast auf, um in der nächsten Senke wieder an Intensität zuzulegen. Die Assoziation zum Gebirgigen liegt auf der Hand, wenn man es mit Herbert Brandl zu tun hat.

Wobei es hier nicht einmal die Andeutung eines Bergmassivs zu sehen gibt, und schon gar keinen Himmel, der bei Brandl manchmal schwerer auf dem Fels lastet als derselbe im Tal.

Malerische Askese

Stattdessen wird man einer Form der malerischen Askese ansichtig, die deutlich Brandls Faible für die ostasiatische Zen-Malerei widerspiegelt. Wohlgemerkt ist die Reduktion eher die Ausnahme in der aktuellen Brandl-Schau der Innsbrucker Galerie Thoman, die Arbeiten der letzten zwei bis drei Jahre zeigt.

Da dominieren die satten Farbexplosionen und -konglomerate, die nie wirklich sicher machen, ob sie nun den Blick auf etwas dahinter Liegendes lenken oder es doch eher verbergen wollen. Leuchten da aus dunkelgrün geflecktem Dickicht etwa die letzten Sonnenstrahlen des Tages hervor? Liegt dahinter gar eine Landschaft?

Abstrakte Räume tun sich jedenfalls in den Farbkaskaden in Magenta auf, die hier in großem Format hängen. Wobei groß eingedenk der XXL-Bergbilder Brandls ja zu einem recht dehnbaren Begriff geworden ist.

Anfang dieses Jahres ist der einstige junge Wilde 60 Jahre alt geworden, das kommende Jahr bringt wieder Museumsschauen, darunter eine im Belvedere 21.

Comicheld auf Leinwand

Derweil präsentiert sich der gebürtige Steirer auch von einer geradezu nostalgischen Seite, sie knüpft an Zeiten an, in denen er sich malend und zeichnend das studentische Budget aufgebessert hat. Da begegnet man – wie aktuell in der Ausstellung zu 50 Jahren Mondlandung in der Kunsthalle Krems – etwa einem nach der Fotografie von Buzz Aldrin ge malten "Man on the Moon".

Weiter Richtung Westen wiederum hat Brandl einen mit schwarzer Farbe skizzenhaft hingepinselten Helden aus dem Comicgenre geschickt: Sein Lucky Luke darf noch stilecht an der Zigarette statt am Strohhalm saugen. (Ivona Jelcic, 15.8.2019)