Als im Jahr 1835 im US-Bundesstaat Georgia der sogenannte Vertrag von New Echota unterzeichnet wurde, hatte er für den Stamm der Cherokee vor allem Vertreibung, Gewalt und Tod zur Folge. Doch es gibt einen Passus des Vertrags, der bis jetzt kaum Aufmerksamkeit erfuhr: Die Cherokee "sollen Anspruch auf einen Delegierten im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten haben, wenn der Kongress dafür Vorbereitungen trifft", ist da zu lesen.

Auf dieses fast zweihundert Jahre alte Versprechen bezogen sich Chuck Hoskin Jr., das Oberhaupt der Cherokee-Nation, und die 53-jährige Stammesangehörige Kimberly Teehee, als sie vergangene Woche vor die Presse traten. Teehee, eine frühere Beraterin der Obama-Administration, ist für den Posten als Delegierte nominiert worden. Für Chuck Hoskin Jr. sind die Verträge von damals "heilig": "Sie bedeuten etwas. Und sie haben kein Ablaufdatum", so Hoskin Jr. "Ich bitte die Regierung der Vereinigten Staaten, ihr Wort zu halten."

Kimberly Teehee, die der Stamm als künftige Delegierte nominiert hat, spricht vor den Flaggen der Cherokee-Nation und der USA.
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Sollte dies geschehen, wäre die Cherokee-Nation die erste Regierung eines souveränen Stammes der amerikanischen Ureinwohner, die eine Delegierte in den Kongress entsendet. Als solche könnte Teehee zwar nicht an Abstimmungen teilnehmen, aber andere Rechte ausüben und die Interessen ihrer Nation vertreten. Zurzeit gibt es sechs solcher Delegierten, die Puerto Rico, Guam, Amerikanisch-Samoa, die Nördlichen Marianen, die Amerikanischen Jungferninseln und den Bezirk Columbia repräsentieren. Bisher hat keiner der 600 offiziell anerkannten Stämme der amerikanischen Ureinwohner einen solchen Vertreter.

Verhängnisvoller Vertrag

Der Vertrag wurde am 29. Dezember 1835 im US-Bundesstaat Georgia zwischen Vertretern des Stammes der Cherokee und Vertretern der US-Regierung geschlossen. Er sah vor, dass die Cherokee ihr Land östlich des Mississippi zugunsten der weißen Siedler aufgeben und stattdessen im Bundesstaat Oklahoma neu angesiedelt werden würden. Erst nachdem der Vertrag unterzeichnet war, erfuhr die Führung des Stammes davon, denn die kleine Delegation der unterzeichnenden Cherokee hatte auf eigene Faust gehandelt.

Trotz langjähriger, heftiger Proteste des Stammes wurde der Vertrag letztlich gewaltsam durchgesetzt. Rund 13.000 Cherokee wurden in Lagern interniert und danach in mehrmonatigen Fußmärschen in das Reservat in Oklahoma getrieben. Auf diesem sogenannten Trail of Tears (Pfad der Tränen) kamen mehrere tausend Menschen durch Krankheiten und Gewalt ums Leben. (Ricarda Opis, 28.8.2019)