In Brasilien wüten weiterhin verheerende Brände.

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Brasilia – Die Zahl der Feuer in Brasilien ist trotz eines Verbots des Abbrennens landwirtschaftlicher Flächen wieder gestiegen. Seit das entsprechende Dekret am Donnerstag in Kraft trat, registrierte die brasilianische Weltraumagentur INPE tausende neue Brandherde. Die Regierung schränkte das Verbot inzwischen ein. Davon ausgenommen sind nun für die Ernte notwendige und genehmigte Brände außerhalb der neun Bundesstaaten des Amazonasgebiets. Das geht aus Änderungen des Dekrets hervor, die am Freitag im brasilianischen Amtsblatt veröffentlicht wurden.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Brände seit Jahren. Seit Anfang des Jahres wurden dort mehr als 90.000 Feuer registriert – 71 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Mehr als zwei Drittel der Brände gab es im Amazonasgebiet – dort sind es laut INPE 91 Prozent mehr als in den ersten acht Monaten 2018. Trotzdem liegt die Zahl der Feuer nach Angaben der US-Weltraumbehörde NASA noch immer etwa im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre. Zwischen 2002 und 2007 sowie 2010 gab es deutlich mehr Feuer.

Die Regierung des rechtsextremen Präsidenten Jair Bolsonaro hatte in einem vom Mittwoch datierten Dekret das Abbrennen von Flächen während der Trockenzeit zunächst im ganzen Land verboten. Für einen Zeitraum von 60 Tagen dürfen demnach keine Feuer mehr gelegt werden, um beispielsweise Weide- und Ackerflächen auf gerodeten Flächen zu erschließen. Ausnahmen gelten für indigene Gemeinden, die Ackerbau zur Selbstversorgung betreiben, und für Brände, die von den zuständigen Umweltbehörden zwecks Brandverhütung, Brandbekämpfung oder Pflanzengesundheit genehmigt wurden.

Feuer greifen auf intakte Flächen über

Nach Einschätzung von Umweltschützern stecken zumeist Farmer bereits abgeholzte Flächen in Brand, um neue Weideflächen und Ackerland für den Soja-Anbau zu schaffen. Wegen der Trockenzeit greifen die Feuer immer wieder auf noch intakte Waldflächen über. Kritiker werfen Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Farmer zu mehr Brandrodungen ermutigt fühlen.

Auch in Bolivien lodert es in den Ebenen der Region Chiquitanía in der Nähe der Grenzen zu Brasilien und Paraguay. Präsident Evo Morales twitterte am Sonntag, Trockenheit und unberechenbarer Wind lösten weitere Brände aus. Bolivien verstärkte ihm zufolge die Löscharbeiten und erhielt auch Hilfe aus dem Ausland. Unter anderem stellte Russland ein Flugzeug zur Verfügung. Auch das riesige Löschflugzeug "Supertanker" kommt zum Einsatz, eine umgebaute Boeing 747 eines US-Unternehmens. (APA, 1.9.2019)