Sachsens CDU-Chef Michael Kretschmer (links) und der Sozialdemokrat Martin Dulig waren am Wahlabend nicht in Feierstimmung.

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Die AfD feiert in Dresden die ersten Prognosen für den Wahlsausgang (v.l.n.r: Jörg Meuthen, Beatrix von Storch und Jörg Urban)

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Weil der Jubel gar so laut war bei der AfD am Sonntag, sei vorab eines erwähnt: Richtig – viele Menschen haben die Partei gewählt. Die große Mehrheit der Wählerinnen und Wähler aber tat dies nicht.

Warum die AfD gerade im Osten so stark ist, lässt sich nicht auf einen Punkt bringen – aber es gibt mehrere Erklärungen. In Ostdeutschland sind die Bürger noch weniger an Parteien gebunden als im Westen. Wer früher protestieren wollte, der gab seine Stimme der Linkspartei. Aber diese regiert längst mit und ist somit etabliert; da zieht man weiter zur AfD, die die Unzufriedenen anspricht.

Neuerliche Wende

Das hat sie im Wahlkampf geschickt getan, indem sie suggerierte, es sei – 30 Jahre nach 1989 – eine neuerliche Wende nötig, um sich aus dem Joch von CDU und SPD zu befreien.

Zudem verspricht die AfD, sie sei erstens die wahre Vertreterin des Volkes. Auch verspricht die AfD an der Seite jener zu stehen, die noch mehr Veränderungen scheuen. Und das sind im Osten viele Menschen, deren Biografien sich nach 1989 durch die neuen Verhältnisse sehr stark geändert haben – nicht immer zum Positiven. Viele verloren nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern bekamen auch vermittelt, dass viele ihrer Werte nichts mehr gelten.

CDU und SPD werden sich damit auseinandersetzen müssen, denn eines haben die Wahlen sehr deutlich gemacht: So schnell verschwindet die AfD nicht wieder. (Birgit Baumann, 1.9.2019)