Jakarta – Bei neuen Unruhen in der indonesischen Provinz Papua sind mindestens ein Student getötet und zehn weitere verletzt worden. Der Mann sei am Sonntag bei Krawallen in der Provinzhauptstadt Jayapura erschossen worden, teilte Vize-Bürgermeister Rustan Saru am Montag mit.

2.500 zusätzliche Soldaten wurden in die Unruheregion geschickt, um die Proteste unter Kontrolle zu bringen.
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Seinen Angaben zufolge wurden die Schüsse von der Polizei abgegeben, die versucht habe, zwei miteinander kämpfende Gruppen zu trennen. "Die Polizei musste schießen, weil die Menge außer Kontrolle geraten war", sagte Rustan der dpa. Von der Polizei selbst gab es zunächst keine Stellungnahme.

Proteste für Selbstbesimmung

Der genaue Hergang ließ sich nicht mit Sicherheit klären. Indonesien hatte am Samstag weitere 2.500 Soldaten und Polizisten in die Unruheregion geschickt, um Proteste für Selbstbestimmung unter Kontrolle zu bringen. Die Proteste in den Provinzen Papua und Westpapua halten seit Mitte August an. Auslöser soll rassistisches Vorgehen von Sicherheitskräften gegen Studenten aus Papua gewesen sein. In beiden Provinzen hatte es Demonstrationen gegeben. Anlass war der Jahrestag des sogenannten "Akt-der-freien-Entscheidung"-Referendums. Damals wurden 1.025 Bewohner Westpapuas ausgewählt, um mit teils vorgehaltener Waffe über eine indonesische Kontrolle abzustimmen.

Wegen der andauernden Proteste hat die indonesische Regierung auch das Internet blockiert.
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Die indonesische Regierung hat als Reaktion auf die Proteste auch das Internet in der Unruheregion blockiert. Demonstranten zündeten dort wiederholt Regierungsgebäude an. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschoße ein.

Über die Anzahl der Todesopfer bei den Zusammenstößen gibt es unterschiedliche Angaben. Die beiden Provinzen liegen auf der Insel Neuguinea. Separatisten versuchen seit Jahrzehnten, die Unabhängigkeit der rohstoffreichen Region zu erreichen. Im Osten der Insel liegt der Staat Papua-Neuguinea.

Annexion 1969

Indonesien Gebiet im Westen von Papua-Neuguinea 1969 formal nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum annektiert und beansprucht seit jeher die volle Kontrolle über die Inseln. Große Teile der Bevölkerung sehen sich mehrheitlich den Menschen Papua-Neuguineas oder den Bewohnern der Salomonen oder Vanuatus verbunden.

2017 unterschrieben mit rund 1,8 Millionen Menschen knapp 70 Prozent der Bevölkerung Westpapuas eine den Vereinten Nationen vorgelegte Petition, die sich für die Abspaltung von Indonesien einsetzt. (APA, red, 2.9.2019)