Ein zerstörtes Boot auf den Abaco-Inseln in Marsh Harbour, Bahamas.

Foto: Reuters/MARCO BELLO

Der Hurrikan Dorian ist an der Küste North Carolinas vorbeigezogen und hat sich dabei weiter abgeschwächt. Wie das Nationale Hurrikan-Center (NHC) in Miami mitteilte, erreichte der Sturm am Freitagmorgen noch Windgeschwindigkeiten von 150 Kilometern pro Stunde, er ist damit nur noch ein Hurrikan der niedrigsten Kategorie eins. Die Meteorologen rechnen damit, dass sich der Sturm in den kommenden Tagen weiter langsam abschwächt.

Die zerstörerische Wucht des Hurrikans hat nach neuen Erkenntnissen bisher mindestens 30 Menschen das Leben gekostet – vermutlich aber noch viel mehr. Hubert Minnis, Premierminister der Bahamas, bestätigte die vorläufige Opferbilanz am Donnerstag im US-Fernsehen.

Die endgültige Zahl wird nach Einschätzung des Gesundheitsministers Duane Sands deutlich höher ausfallen. "Ich glaube, die Zahl wird überwältigend sein", sagte er dem Sender Guardian Radio 96.9.

Noch zahlreiche Vermisste

Die Rettungseinsätze gingen am Donnerstag auf den beiden am schwersten getroffenen Inseln im Norden des Karibikstaats weiter. Zahlreiche Menschen wurden noch immer vermisst. Bahamaer nutzten soziale Medien, um Vermisste zu suchen und die Verteilung von Hilfsgütern zu koordinieren. Manche Inselbewohner klagten über hinderliche Bürokratie. Die Regierung verlangt, dass Spenden nur über von ihr autorisierte Organisationen laufen.

Die EU stellt 500.000 Euro Soforthilfe für die vom Hurrikan "Dorian" betroffenen Menschen auf den Bahamas bereit. Mit den Mitteln sollen Unterkünfte, Wasser, Hygieneartikel und Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Das Koordinierungszentum für Soforthilfemaßnahmen der EU stehe in engem Kontakt mit den Behörden des Karibikarchipels, um bald weitere Hilfe leisten zu können.

13.000 Wohnhäuser schwer beschädigt

Dorian hatte die Bahamas am Sonntag als Hurrikan der höchsten Gefahrenstufe getroffen – mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Kilometern pro Stunde. Er wütete dort fast drei Tage lang. Es handelte sich um den verheerendsten Wirbelsturm auf den Bahamas und einen der stärksten im Atlantik seit Beginn moderner Aufzeichnungen. Es kam zu meterhohen Sturmfluten und großflächigen Überschwemmungen. Nach Schätzung des Roten Kreuzes wurden etwa 13.000 Wohnhäuser schwer beschädigt oder zerstört.

Für Teile der US-Küste warnte das NHC vor lebensgefährlichen Sturmfluten, bedrohlichen Winden und starkem Regen. Wie der Fernsehsender CNN berichtet, seien in South und North Carolina 270.000 Menschen ohne Strom. An den küstennahen Gebieten in South Carolina kam es am Donnerstag zu Überschwemmungen. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, Bäume und Strommasten stürzten um.

Obwohl Dorian am Freitag an der Küste North Carolinas vorbeizog, schloss das NHC nicht aus, dass der Hurrikan seinen Kurs leicht ändern und auf Land treffen könnte.

Bahamas bitten WHO um Hilfe

Die Regierung könne eine Versorgungskrise dieses Ausmaßes nicht allein bewältigen, betonte der bahamaische Gesundheitsminister Sands. Er habe die Weltgesundheitsorganisation um Hilfe gebeten.

Das Welternährungsprogramm bereitete eine Lieferung von mehr als sieben Tonnen Fertiggerichte für die vielen Obdachlosen auf den Bahamas vor, wie ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres mitteilte. Lebensmittel lieferten auch die Marine Großbritanniens – das Staatsoberhaupt der Bahamas ist die britische Königin Elizabeth II – und ein Kreuzfahrtunternehmen.

Die über mehrere Tage auf den Bahamas mithelfende US-Küstenwache rettete nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 200 Menschen. Nach Worten des UN-Nothilfekoordinators Marc Lowcock vom Mittwoch benötigten rund 70.000 Menschen – also fast jeder fünfte Einwohner der Bahamas – dringend Hilfe zum Überleben. Die Flughäfen seien überschwemmt oder beschädigt, auch Verbindungsstraßen könnten nicht genutzt werden. Es gebe keine Stromversorgung und nur stark eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten. (APA, red, 6.9.2019)