Ein Lügendetektor.

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Menschen lügen. Psychologen zufolge würde man durchschnittlich pro Tag mit 200 Lügen konfrontiert werden. Die meisten Lügen sind gut gemeint und harmlos: Etwa lobt man ein Kleidungsstück, oder man schluckt kleine Ärgerlichkeiten runter.

Klar ist auch, dass der Körper beim Lügen viele kleine Hinweise ausschüttet: Das Herz klopft schneller, man schwitzt ein wenig und Muskeln zucken. Dennoch ist es bis heute nicht möglich, Lügner aufzudecken. Schon seit Jahrhunderten ist das ein Wunsch, vor allem jener, die sich in Machtpositionen befinden: Regierungen, Behörden und Unternehmen. Erfolgreich war man dabei aber nicht, wie der "Guardian" in einem ausführlichen Bericht schreibt.

Polygraphen

Wer an einen Lügendetektor denkt, denkt am ehesten an einen Polygraphen, wie ihn beispielsweise – es gab mehrere Erfinder – der Polizist John Larson im Jashr 1924 an der University of California baute. Heute sieht man solche Konstruktionen vor allem in Krimiserien: Blutdruck, Atem und Co wird gemessen und damit versucht, zu ermitteln, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht.

Heute erhofft man sich, funktionierende Geräte zu schaffen. Mit dem Aufstieg von Künstlicher Intelligenz (KI) sehen Start-Ups Chancen für einsatzfähige Lügendetektoren. Dabei greifen die maschinenlernenden Systeme auf unterschiedlichste Faktoren, die aus der Wissenschaft bekannt sind zu und sollen sich – so die Annahme – anhand von Trainingsdaten immer mehr verbessern. Wissenschafter der University of Maryland etwa behaupten bereits, dass über ihre Software eine Trefferquote von 88 Prozent aufweise.

Missbrauchspotenzial

Selbst wenn das stimmen sollte, sehen Kritiker die rasante Forschung in den Bereich problematisch. So sehr (angehende) Erfinder der Geräte damit eine bessere Welt bewerben, dürfte die Realität anders aussehen. Ein nicht ideal funktionierender Lügendetektor könnte missbraucht werden – schon in der Vergangenheit wurden die vermeintlich funktionsfähigen Systeme genutzt, um falsche Geständnisse zu erzwingen. In den 80ern etwa druckten die Detektoren bei Polizeibehörden in den USA Papiere mit dem Text "Er/Sie lügt" aus, um die Verdächtigen in die Enge zu treiben.

Es gibt keine absolute Wahrheit

Forscher berichten außerdem, dass es Lügen gibt, die Menschen selbst beginnen zu glauben – solche würden nicht erkannt werden. Politiker und Polizeibehörden weigern sich zudem laut dem Polygraph-Untersucher Terry Mullins seit Jahren, sich selbst Tests zu unterziehen. Ein Unternehmen, das Lügendetektoren basierend auf Magnetresonanz anbietet, gibt an, dass die erste Frage bei Behörden immer ist, ob man die Mitarbeiter darauf trainieren kann, das Gerät zu täuschen. Daher besteht die Gefahr, dass die vermeintlichen Wahrheitserkenner von Personen und Institutionen in Machtpositionen verwendet werden, um Menschen zu unterdrücken. (red, 6.9.2019)