Kapitän Claus-Peter Reisch nahm auf dem Rettungsschiff Eleonore 104 Migranten auf.

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Die Rettungsorganisation geht nicht davon aus, das Rettungsschiff zurückzubekommen.

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Rom – Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffs Eleonore, Claus-Peter Reisch, ist nach Angaben der Organisation Mission Lifeline von den italienischen Behörden mit einem Bußgeld in Höhe von 300.000 Euro belegt worden. Dagegen habe man Einspruch eingelegt, bestätigte Mission-Lifeline-Sprecher Axel Steier am Freitag. "Wir sehen eine 50:50-Chance, dass man da noch drum rumkommt", sagte Steier.

Man mache den Notstand geltend, in dem sich Reisch befunden habe, erklärte Steier. Die Eleonore war am Montag mit 104 Migranten an Bord trotz eines Verbots in den Hafen Pozzallo auf Sizilien eingelaufen. Das Schiff wurde beschlagnahmt.

Möglicher Verlust des Schiffes

"Wir rechnen mit dem Verlust des Schiffes", so Steier. Den Wert der Eleonore beziffert er auf rund 300.000 Euro, wovon die Hälfte auf die technische Ausrüstung entfalle. Für den Kauf eines neuen Schiffes gebe es schon Spendenzusagen für etwa die Hälfte des Kaufpreises. "Es wäre falsch, jetzt aufzugeben", sagte Steier. Im vorigen Jahr hatte die Organisation das Schiff Lifeline verloren, das in Malta beschlagnahmt wurde.

Steier äußerte sich wenig optimistisch, dass sich die harte Haltung Italiens gegenüber privaten Seenotrettern im Mittelmeer nach dem Regierungswechsel in Rom wesentlich ändern werde. Dort war am Donnerstag das Kabinett aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten vereidigt worden. Die rechte Lega, deren Chef Matteo Salvini Innenminister war, gehört der Regierung nicht mehr an.

Ermittlungen und Ehrenmedaille

Während die Staatsanwaltschaft von Ragusa wegen Begünstigung der illegalen Einwanderung Ermittlungen gegen Reisch aufgenommen hat, wurde der 58-Jährige in Sizilien ausgezeichnet. Bei einem Treffen mit Bürgermeister Leoluca Orlando erhielt er die Ehrenmedaille der Stadt Palermo. Im Gegenzug schenkte Reisch dem Bürgermeister eine Rettungsweste.

Italienische Behörden hatten dem Rettungsschiff mit 104 Migranten – darunter 30 Minderjährige – an Bord die Landung verweigert. Reisch rief nach der einwöchigen Blockade aufgrund eines heftigen Sturms den Notstand aus und steuerte trotz des Verbots nach Sizilien. Die Geretteten werden auf fünf EU-Staaten aufgeteilt: Deutschland, Frankreich, Irland, Portugal und Luxemburg erklärten sich bereit, sie aufzunehmen. Die Eleonore ist ein Sportboot, das unter deutscher Flagge fuhr.

Lage auf der Alan Kurdi wird schlechter

An Bord eines weiteren Rettungsschiffs im Mittelmeer, der Alan Kurdi, hat sich indessen die Lage verschlechtert. Der Sprecher des deutschen Vereins Sea-Eye, Gorden Isler, sprach am Freitag von einer "besorgniserregenden Dynamik". In der Nacht zuvor sei ein Minderjähriger aus den Sicherheitsnetzen gezogen worden, der versucht habe, das Schiff über die Reling zu verlassen.

Die Alan Kurdi liegt momentan vor der Küste Maltas. Am Samstag hatten die Seenotretter 13 Menschen aus einem überladenen Holzboot geborgen, unter ihnen acht Minderjährige. Zwei Buben, die unter schweren Angstattacken litten, durften inzwischen das Schiff verlassen und wurden von Malta an Land genommen. "Die Alan Kurdi ist nicht der richtige Ort, um minderjährige Schutzsuchende länger als nötig zu beherbergen", sagte Isler. Er hoffe, dass ein maltesisches Gericht in Kürze der Beschwerde Sea-Eyes folge und die zweifellose Zuständigkeit Maltas für die Rettung bestätigen werde. (APA, red, 6.9.2019)