Überraschend legte US-Präsident Donald Trump die Verhandlungen mit den Taliban auf Eis.

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Washington/Kabul – Einmal mehr griff Donald Trump auf den Kurznachrichtendienst Twitter zurück, um eine wichtige politische Entscheidung anzukündigen. Diesmal hat sie gravierende Ausmaße: Kurz vor dem erwarteten Abschluss eines Abkommens zwischen den USA und den radikalislamischen Taliban sagte der US-Präsident in der Nacht auf Sonntag überraschend Friedensverhandlungen ab.

Als Grund nannte er einen Anschlag am vergangenen Montag in der afghanischen Hauptstadt Kabul an, bei dem auch ein US-Soldat getötet worden war. "Welche Leute würden so viele töten, nur um scheinbar ihre Verhandlungsposition zu stärken?", fragte Trump auf Twitter. Die Taliban-Anführer, schrieb der Präsident, hätten nicht die Macht gehabt, ein bedeutsames Abkommen zu verhandeln, wenn sie nicht einmal einer Feuerpause während der wichtigen Verhandlungen zustimmen könnten.

Geheimtreffen in Camp David

Trumps Worten nach seien für Sonntag in Camp David, dem Landsitz des US-Präsidenten, geplante geheime Treffen mit den Taliban und mit dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani geplant gewesen. Sie fänden nun nicht mehr statt. Zunächst gab es außer Trumps Tweet keine Bestätigung, dass diese Treffen tatsächlich angesetzt gewesen waren.

Ein Taliban-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AP, er könne ein geplantes Treffen in Camp David vorerst nicht bestätigen. Auch ob Trumps Ankündigung nun das endgültige Aus für die Verhandlungen bedeutet oder die Gespräche nur ausgesetzt sind, blieb zunächst unklar. Die Taliban kritisierten den Abbruch der Gespräche und erklärten, dies würde zu weiteren Verlusten von Menschenleben auf US-Seite führen.

Seit Wochen hieß es eigentlich, ein Friedensabkommen in dem bereits 18 Jahre andauernden Konflikt stehe unmittelbar bevor. Erst am vergangenen Montag hatte US-Chefunterhändler Zalmay Khalilzad von einer "grundsätzlichen" Einigung gesprochen. Sollte Trump zustimmen, könne der Deal "in den kommenden Tagen" verkündet werden.

Keine direkten Gespräche

Das Abkommen hält den von Trump gewünschten Abzug der US-Armee aus Afghanistan fest. Aus Washington hieß es im August, die USA würden zu Beginn 5.400 der 14.000 Soldaten abziehen. Zunächst müssten die Taliban aber einem Waffenstillstand zustimmen und garantieren, dass kein Terrorismus mehr von Afghanistan ausgeht. In weiterer Folge sollten innerafghanische Gespräche geführt werden. Bisher hatten sich die Taliban geweigert, mit der Regierung zu sprechen, die sie als "Marionette" des Westens betrachten. Auch das offenbar für Sonntag geplante Treffen hätte getrennt jeweils mit den Taliban und mit dem afghanischen Präsidenten stattfinden sollen.

Ghani selbst hatte immer wieder kritisiert, dass die afghanische Regierung in die Verhandlungen nicht miteinbezogen worden war. Er geht als Favorit in die für 28. September geplanten Präsidentschaftswahlen. Die Taliban verlangten deren Absage als Voraussetzung für den Abschluss eines Abkommens mit den USA. (APA, maa, 8.9.2019 )