Startet am Dienstag exklusiv auf der Streamingplattform Britbox in den USA und Kanada: Kelly Macdonald in der Thriller-Serie "The Victim". Noch für dieses Jahr ist ein Britbox-Start für Großbritannien geplant.

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Es war das große Thema von Gernot Blümel (ÖVP) als Medienminister: ORF und private Medien mögen Gemeinsamkeiten suchen – in der Werbevermarktung etwa, aber auch beim Programm. Die öffentlich-rechtliche BBC hat sich – als Juniorpartner – mit dem Privatsender ITV zusammengetan und betreibt eine Streamingplattform. Seit 2017 schon ist die Plattform in den USA und Kanada zugänglich, noch heuer auch im britischen Heimmarkt.

Günstiger als Netflix

"Das Massenpublikum bewegt sich immer mehr in Richtung Streamingplattformen, und Nachforschungen zeigen, dass es unter britischen Zusehern eine große Nachfrage nach einer britischen Streamingplattform gibt", heißt es in einer Aussendung von BBC. Auf der Plattform sollen Filme und Serien, die bereits auf BBC oder ITV gezeigt wurden, zu einem monatlichen Abopreis von 5,99 Pfund (6,72 Euro) angeboten werden. Das ist günstiger als bei Netflix, wo man für das Standardmäßige Abo in Großbritannien im Monat 8,99 Pfund – ungefähr zehn Euro – zahlen muss. Bekannte Shows der beiden Sender wie Love Island und Broadchurch (beide ITV) sowie die BBC-ShowsGentleman Jack und Gavin And Stacey sollen zu sehen sein. Die neue vierteilige Thrillerserie The Victim von BBC One mit Emmy-Gewinnerin Kelly Macdonald startet am Dienstag bereits exklusiv auf Britbox, allerdings vorerst nur in Nordamerika.

Künftig sollen auch weitere Inhalte exklusiv für die Streampingplattform produziert werden. Die erste Sendung sei bereits in Auftrag gegeben und soll ab 2020 für die Abonnenten zur Verfügung stehen, heißt es von BBC auf Anfrage des STANDARD. Beide Sender werden neben Britbox auch ihre eigenen Onlinemediatheken weiterhin betreiben, BBC ihren iPlayer und der Privatsender seinen ITV-Player.

Programme werden erst im Fernsehen gezeigt, wandern dann auf die Onlinemediatheken, und erst wenn sie dort nicht mehr verfügbar sind, werden sie auf Britbox unbegrenzt zugänglich sein. Die britische Medienbehörde Ofcom hat der BBC soeben erlaubt, ihre Inhalte statt bisher 30 Tage ein ganzes Jahr auf Abruf anzubieten. Die Programme von ITV verschwinden indessen schon nach 30 Tagen hinter der Paywall.

Derzeit trägt das finanzielle Risiko des Projekts hauptsächlich ITV. Der Privatsender hält 90 Prozent Anteil und plant, 65 Millionen Pfund (rund 73 Millionen Euro) über die ersten beiden Jahre zu investieren. Die BBC hat bisher nicht in Britbox investiert, hält jedoch zehn Prozent mit der Option, auf 25 Prozent zu erhöhen. Auch der Vorstand wird großteils von ITV bestellt. Britbox werde ein von ITV kontrolliertes Projekt sein, aber die BBC wird als Gründungspartner zu einer "zielgerichteten Entwicklung und zur strategischen Ausrichtung beitragen", heißt es dazu von der BBC. Außerdem sind Gespräche über einen Einstieg der Sender Channel 4 und Channel 5 im Gange.

Project Kangaroo

In Nordamerika sind bei Britbox derzeit rund 650.000 zahlende Abonnenten angemeldet. Für Netflix mit seinen 151 Millionen Abonnenten weltweit stellt das keine echte Konkurrenz dar. Vor zehn Jahren gab es in England unter dem Namen "Project Kangaroo" schon einmal die Idee, eine Streamingplattform zu starten. Hätte die britische Wettbewerbsbehörde damals nicht den Riegel vorgeschoben, würden die Kräfteverhältnisse heute möglicherweise anders aussehen. (Johannes Pucher, 10.9.2019)