Spiegelungen an der Außenfassade des Kunsthauses Graz. Die Stadtverwaltung möchte ab Ende 2020 den Gütertransport in die City CO2-neutral gestalten.

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Es ist im 288.000 Einwohner zählenden Graz, oft auch als "Feinstaub-Hauptstadt" Österreichs bezeichnet, nicht anders als in anderen Städten Europas auch: Viele, zu viele Lkws verschiedener Logistikfirmen fahren morgens in das Stadtzentrum und beliefern auf der sogenannten letzten Meile die Geschäfte und Firmen in der Innenstadt. Täglich sind es rund 300 derartige Fahrzeuge, die in die Stadt fahren.

Die Grazer Innenstadt ist beengt, die Gassen sind so schmal, dass größere Lkws oft gar nicht durchfahren können. Die Stadtverwaltung hat erkannt, dass die City-Logistik neu organisiert werden muss, und will nun mit dem Projekt "Graz Log" das Ruder herumreißen. Nicht mehr jeder Lkw soll in die Innenstadt dürfen, die City-Logistik soll vollständig neu organisiert werden.

Kooperatives Projekt

Mit stadtpolitischer Unterstützung will man neue Wege beschreiten: Die Waren künftig möglichst CO2-frei in die Stadt zu bringen – und noch dazu günstiger und nachhaltiger – ist der Lösungsansatz. Nun feilen, unter Leitung des Austrian Institute of Technology (AIT), die Stadt Graz, die TU Graz, Graz Tourismus, Prime Software und die Rechtsanwälte Eisenberger und Herzog an der City-Logistik von morgen.

Das Projekt, gefördert vom Verkehrsministerium, erhielt in diesem Jahr den Hermes-Verkehrslogistik-Preis in der Kategorie Nachhaltigkeit. "Graz Log" sei kooperativ ausgerichtet, erklärt Martin Reinthaler, Koordinator des Projekts beim AIT, und soll zunächst nur für die Grazer City zur Anwendung kommen.

Was kann man sich darunter vorstellen? Von einem zentralen Umschlagplatz aus sollen die Güter in die Fußgängerzonen und verkehrssensiblen Innenstadtbereiche gebracht werden, um von dort mit Elektrofahrzeugen und Lastenfahrrädern ausgeliefert zu werden.

Einen definitiven Standort für diesen Umschlagplatz gibt es zwar noch nicht – wichtig sei aber, dass er verkehrsgeografisch optimal situiert ist, um mit den Lkws auf kurzer Distanz in die Stadt zu kommen, wie es heißt. Die Transporte sollten, dem wird besonderes Augenmerk geschenkt, idealerweise gänzlich ohne CO2-Emissionen erfolgen.

Unabhängiger Umschlagplatz

Der zentrale Umschlagplatz fungiert dabei als Konsolidierungsdrehscheibe zwischen den Logistikfirmen auf der einen und den Empfängern auf der anderen Seite. Als Hub soll er von einem eigenständigen, von den Logistikern unabhängigen Betreiber verwaltet werden, der auch die Touren vom Umschlagplatz in die City koordiniert. Diese Unabhängigkeit sei eine wichtige Voraussetzung dafür, den unterschiedlichen Akteuren die angestrebte Kooperation überhaupt erst einmal schmackhaft zu machen.

Von diesem Umschlagplatz aus werden die Empfänger flexibel in definierten Zeitfenstern beliefert, und das ohne zusätzliche Transportkosten, wie es seitens der Stadtverwaltung verlautbart wurde. Derzeit läuft die Standortsuche, es müssen noch einige Fragen und rechtliche Themen abgeklärt werden.

In den Dialog eingebunden sind auch die Logistikunternehmen, die ihre Anregungen und Ansprüche deponieren können. Dass die Stadt voll hinter dem Vorhaben steht, sei auch kein Nachteil, heißt es von der Projektleitung.

Wenn alles glatt läuft, soll "Graz Log" ab Ende 2020 vom ersten Tag an voll funktionieren. Denn das Projekt soll kein Pilotversuch sein. Es ist langfristig und praktisch ausgerichtet. Wenn es sich bewährt, soll das Modell auf das ganze Stadtgebiet ausgedehnt werden. (Markus Trostmann, 13.9.2019)