Wien – Einer der drei Männer, die im November 2018 im Wiener Dorotheum ein Renoir-Gemälde gestohlen haben sollen, ist am Donnerstagnachmittag zu 24 Monaten, davon acht Monate unbedingter Haft, wegen schweren Diebstahls im Rahmen einer kriminellen Vereinigung verurteilt worden. Da der 60-Jährige seit Anfang Dezember in U-Haft saß, wurde er sofort auf freien Fuß gesetzt.

Zwar ist der Mann bereits in seiner Heimat wegen eines ähnlichen Deliktes 2005 vor Gericht gestanden, da dies nach österreichischem Recht bereits verjährt ist, galt der Ukrainer als unbescholten, was bei dem Urteil mildernd gewertet wird.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der Beschuldigte die Strafe annahm, kündigte die Staatsanwaltschaft Berufung an. Der Ukrainer muss zudem an eine Versicherung 120.000 Euro zahlen, um den Schaden wiedergutzumachen. Das Gemälde ist bis heute verschollen.

Das gestohlene Gemälde: Die Ölstudie einer bretonischen Küstenlandschaft gehört nicht zu den klassischen Motiven Pierre-Auguste Renoirs.
Foto: ROBERTO GOBBO

Beschuldigter behauptet, er sei "reingezogen" worden

Detailreich hatte der Beschuldigte die Geschehnisse am Tattag geschildert. Zunächst seien die drei in ein anderes Hotel umgezogen und danach in die Wiener City zum Shoppen gefahren. Als die Ukrainer Schuhe kaufen waren, seien sie am Dorotheum vorbeigekommen. "Ich wollte eigentlich nicht hineingehen", sagte der Beschuldigte, der angab, selbstständiger Antiquitätenhändler zu sein.

Zwar hätte er sich zuvor für eine Bronzefigur in der Ausstellung interessiert, doch wollte er mit den vielen Einkaufssackerln nicht in das Aktionshaus. "Ich hatte eine Vorahnung, dass etwas Schlimmes passiert", sagte er kryptisch. Als sie in dem Raum mit dem Renoir-Gemälde waren, habe er sich umgedreht und plötzlich ein Geräusch gehört. "Wie wenn etwas knistert", sagte er. "Es war mir klar, dass die etwas Böses gemacht haben und dass ich dafür herangezogen werde", meinte der Angeklagte. "Die haben mich in die Scheiße reingezogen."

Das von der Wiener Polizei zur Verfügung gestellte CCTV-Bild zeigt einen jener Männer, die beschuldigt werden, das Renoir-Gemälde gestohlen zu haben.
Foto: AP

Auf Kunstdiebstahl spezialisiert

"Warum haben Sie nicht gefragt, was die beiden gemacht haben?", wollte Richter Mario Bandarra wissen. "Ich wollte das gar nicht wissen." Später meinte er aber doch, dass die Männer erzählt hätten, ein Bild gestohlen zu haben. Seine Reaktion: "Ihr seid Idioten." Eigentlich wollte er tags darauf mit dem Flieger zurück nach Moskau, doch das habe er sich nicht mehr getraut, aus Angst, die Polizei könnte ihn schnappen. Mit dem Bus sei er dann über Bratislava in die Ukraine gefahren. Warum habe er nicht die Exekutive alarmiert, wenn er mit der Sache ja nichts zu tun habe, fragte Bandarra. "Die Polizei zu rufen widerspricht meinen moralischen Prinzipien", sagte der Angeklagte.

Dass die Bande auf Kunstdiebstähle spezialisiert sein dürfte, zeigten zahlreiche Überwachungsfotos, die das Gericht dem Angeklagten vorlegte. Im September 2017 etwa wurde aus einem Auktionshaus in Frankreich ebenfalls ein Werk von Renoir gestohlen. Das Gemälde "Porträt eines jungen blonden Mädchens" hätte in Saint-Germain-en-Laye nahe Paris versteigert werden sollen. Sein Wert wurde auf 25.000 bis 30.000 Euro geschätzt. "Sind Sie das?", fragte der Richter und deutete auf den Mann auf den Bildern aus der Überwachungskamera. "Diese Person sieht mir ähnlich", meinte der Beschuldigte.

Der Beschuldigte musste sich am Donnerstag am Wiener Straflandesgericht verantworten.
Foto: APA/GEORG HOCHMUTH

Der 60-Jährige soll auch für den Diebstahl eines wertvollen Buches in einem Pariser Auktionshaus im Sommer 2017 verantwortlich sein. "Das ist auch eine Person, die mir ähnlich sieht", kommentierte er die Überwachungsfotos von dem Coup. Zwei Wochen vor dem Diebstahl in Wien soll der Ukrainer auch im Schloss Versailles zugeschlagen haben und aus einem Ausstellungsraum zwei Gemälde gestohlen haben, wie die Behörden nun ermittelten. "Ich habe damit nichts zu tun", sagte der Angeklagte. (red, APA, 12.9.2019)