Wo der Ex-Präsident schließlich begraben wird, darüber streitet die Familie noch mit der Regierung.

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Selbst im Tod löst der umstrittene simbabwische Ex-Präsident Robert Mugabe noch erbitterte Debatten aus. Nur wenige Tage vor der Beerdigung des vor einer Woche im Alter von 95 Jahren in Singapur verstorbenen Gründervaters des südafrikanischen Staates ist ein heftiger Streit über den Bestattungsort des gewalttätigen Autokraten ausgebrochen. Während die Regierung die leiblichen Überreste Mugabes in dem für Helden des Befreiungskampfes reservierten "National Heroes Acre" in der Hauptstadt Harare begraben will, besteht seine Familie darauf, dass der Befreiungsführer in seinem 85 Kilometer nördlich von Harare gelegenen Heimatdorf Kutama seine letzte Ruhe finden soll. Das habe sich der Verstorbene vor seinem Tod gewünscht, sagte dessen Neffe Leo Mugabe: Er habe ausdrücklich verfügt, nicht auf dem Feld der Heroen beerdigt zu werden.

Hintergrund der Debatte ist die Art und Weise, wie der Ex-Präsident vor knapp zwei Jahren von seinem Nachfolger Emmerson Mnangagwa aus dem Amt entfernt wurde. Das "Krokodil" Mnangagwa hatte mit Waffengewalt durchgesetzt, dass er und nicht Mugabes 41 Jahre jüngere Frau Grace dem greisen Autokraten nachfolgte: Sowohl Mugabe als auch seine zweite Ehefrau Grace wurden im November 2017 aus der Regierungspartei Zanu/PF ausgeschlossen. Mugabe sei wegen Mnangagwas Putsch für den Rest seines Lebens "sehr verbittert" gewesen, sagte sein Neffe: "Der fügte seinem Ansehen schweren Schaden zu."

Der 37 Jahre lang amtierende Regierungschef hatte seinen Abtritt stets hinausgezögert: Er wolle im Amt sterben, gab er mehrmals bekannt. Erst als sich die Nachfolgefrage wegen der zunehmenden Vergreisung Mugabes nicht mehr länger verschieben ließ, setzte er seinen langjährigen Vertrauten Mnangagwa vom Amt des Vizepräsidenten ab und ebnete damit seiner in Simbabwe weithin unbeliebten Frau Grace den Weg ins höchste Amt.

Putsch aus dem Ausland

Mnangagwa soll sogar vergiftet worden sein: Er musste damals zur ärztlichen Behandlung ins Nachbarland Südafrika ausgeflogen werden. Von dort aus inszenierte er einen Militärputsch, der die "Disgrace" (Schande) genannte First Lady ins politische Abseits verbannte. Kurz vor den Wahlen im Juli des vergangenen Jahres, mit denen sich Mnangagwa als Präsident bestätigen ließ, kündigte Mugabe öffentlich an, seine Stimme nicht den "Peinigern" der eigenen Partei, sondern der Opposition zu geben.

Mnangagwa erklärte Mugabe nach seinem Tod zum "nationalen Helden". Selbstverständlich müsse der Gründervater der 1980 unabhängig gewordenen Nation in Harares Heldenfriedhof bestattet werden, hieß es in Regierungskreisen. Für Samstag ist eine staatliche Beerdigungsfeier im Nationalstadion Harares mit internationaler Beteiligung geplant: Unter anderen werden der chinesische Präsident Xi Jinping sowie der kubanische Staatschef Raul Castro erwartet. Gegen die Trauerfeier hat auch Mugabes Familie nichts einzuwenden. Allerdings soll "der Alte", wie der Verstorbene unter Freunden genannt wird, nicht am Sonntag auf dem Heldenfriedhof, sondern erst Anfang nächster Woche in Kutama bestattet werden. Selbst wenige Tage vor dem Termin ist der Streit nicht beigelegt.

Streit um Weg des Sarges

Schon bei der Ankunft von Mugabes Leichnam auf dem nach ihm benannten Flughafen der Hauptstadt war es am Mittwoch zu Unstimmigkeiten gekommen. Mugabes Familie wollte nicht, dass der mit einer Flagge behängte Sarg zunächst zu einer Militärkaserne gebracht werde, bevor man ihn in der Residenz des einstigen Staatschefs aufbahrt. Die Regierung setzte sich durch: Der Sarg wurde "zu Gebeten" in das Hauptquartier des "Ersten Kommandos" in Harare gebracht. Mugabe wird für den Tod zigtausender Menschen, der Flucht von Millionen von Staatsbürgern sowie den Ruin der einstigen Kornkammer Afrikas verantwortlich gemacht. (Johannes Dieterich, 12.9.2019)