Kein Penis.

Foto: AP Photo/Ferdinand Ostrop

Zahlreiche Frauen mussten im Netz bereits die Bekanntschaft mit "Dick Pics" machen. Sie haben per Mail, Messenger oder Direktnachricht unerwünscht das Foto eines Penis zugeschickt bekommen. Manchmal von Bekannten, manchmal von fremden Männern. Das Phänomen der "Dick Pics" existiert seit Jahren und wurde bereits in Studien untersucht. Einer US-amerikanischen Entwicklerin reicht es nun. Sie arbeitet an einer Software, mit der die belästigenden Aufnahmen ausgefiltert werden sollen.

"Send nudes for science"

Die Software von Kelsey Bressler kann mittels Machine Learning Penisse auf Fotos erkennen und soll sie künftig aus Online-Konversationen und Direktnachrichten filtern. Um möglichst viel Material für ihre Software zu bekommen, startete die Amerikanerin den Twitter-Account @showYoDiq mit dem Aufruf "Send nudes for science" – Nutzer sollen ihr Penisfotos schicken, damit das Programm lernen kann. Voraussetzung: Die Teilnehmer müssen älter als 18 Jahre sowie Urheber der Fotos sein.

Bressler bekam vor einiger Zeit selbst so eine Aufnahme eines fremden Mannes zugeschickt. Ihr Partner habe dann die Idee gehabt, dass sie doch eine Software dagegen schreiben könnte, wie sie nun der BBC erzählte. Ihr Wunsch ist, dass soziale Netzwerke, Dienste wie Twitter und Messenger ihre Software integrieren. Alternativ könnte es auch einen eigenständigen Dienst geben.

Bis der Penisfilter auf die "Dick Pics" der Netzwelt losgelassen werden kann, dauert es noch. Bei bisherigen Tests sei aber bereits eine hohe Trefferquote erzielt worden. Damit die Software noch besser wird, startete Bressler im September den ungewöhnlichen Aufruf via Twitter. Das führt auch zu kuriosen Erlebnissen. "Leute schicken mir ziemlich viele Fotos von Trumps Gesicht. Aber sie versuchen auch, den Filter zu testen oder auszutricksen", sagt die Entwicklerin zu "Golem". Etwa indem Penisse mit Glitter "getarnt" oder einem Hotdog-Brötchen "verkleidet" werden.

Belästigung

Dass "Dick Pics" ein echtes Problem sind, wird in Diskussionen im Netz oft verharmlost. Für Bressler sind die unaufgefordert und ungewünscht zugeschickten Aufnahmen aber nur das Online-Äquivalent zu Personen, die sich auf der Straße entblößen. Exhibitionismus in der Öffentlichkeit ist strafbar und kann in Österreich mit einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten belegt werden. Bei ungefragt zugeschickten Penisfotos raten Experten, zur Polizei zu gehen und den Absender der jeweiligen Plattform zu melden. Was man jedenfalls nicht tun sollte, ist, das Foto weiterzuleiten oder öffentlich zu posten. Denn damit kann man sich selbst strafbar machen. (red, 13.9.2019)