Jemenitische Houthi-Rebellen haben am Samstag Öl-Anlagen in Saudi-Arabien angegriffen.

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Riad – Zwei Öl-Anlagen in Saudi-Arabien sind nach Regierungsangaben von Drohnen attackiert worden. In den Einrichtungen des Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais waren nach den Angriffen am frühen Samstagmorgen Feuer ausgebrochen, meldete zuerst die saudi-arabische Nachrichtenagentur SPA unter Berufung auf das Innenministerium in Riad.

Zu den Anschlägen im Osten des Königreichs bekannten sich die schiitischen Houthi-Rebellen aus dem Nachbarland Jemen. In einer Erklärung des Houthi-Fernsehsenders al-Massirah wurde über "eine große Operation gegen Raffinerien in Abkaik und Churais" gesprochen.

Dabei sei ein gewaltiges Feuer in einem Teil der Raffinerie, die für die globale Energieversorgung von entscheidender Bedeutung ist, ausgebrochen. Bei den betroffenen Anlagen handelt es sich um die weltweit größte Ölverarbeitungsanlage und ein großes Ölfeld. Laut der Nachrichtenagentur Reuters könnte die Produktion von fünf Millionen Barrell pro Tag betroffen sein – das sind die Hälfte der saudischen Produktion oder fünf Prozent der weltweiten Ölversorgung.

In den vergangenen Monaten hatten die Houthis, die von Riads Erzfeind Iran unterstützt werden, mehrfach Ziele in Saudi-Arabien attackiert.

Dieses NASA-Satellitenbild zeigt die Rauchschwaden nach einem Angriff auf die weltweit größte Ölverarbeitungsanlage in Saudi-Arabien und ein von Saudi Aramco betriebenes großes Ölfeld.
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Vorerst keine Informationen über Opfer oder Schäden

"Um 04.00 Uhr (Ortszeit) griffen die Sicherheitsteams von Aramco ein, um Brände in zwei Einrichtungen zu löschen", hieß es aus dem saudi-arabischen Innenministerium. Die Brände seien inzwischen unter Kontrolle. Das Königreich ist der weltweit größte Öl-Exporteur. Aussagen über Opfer oder Schäden machten die Behörden nicht. Sie erhöhten die Sicherheit um die beiden betroffenen Standorte.

Die Drohnen-Angriffe erfolgten zwei Tage nach Sabotageakten gegen zwei Öltanker aus Saudi-Arabien. Die Vorfälle verschärften die Spannungen in der Golfregion.

Dieser Ausschnitt aus einem Video zeigt die brennende Anlage kurz nach dem Angriff am frühen Samstagmorgen.
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Im August reklamierten die Houthis einen Drohnen-Angriff auf ein Ölfeld im Osten Saudi-Arabiens für sich. Bereits Mitte Mai hatten die Rebellen nach eigenen Angaben zwei Ölpumpstationen in der Nähe von Riad mit Drohnen attackiert. Aramco setzte daraufhin aus Sicherheitsgründen vorübergehend den Betrieb seiner Ost-West-Pipeline aus.

Die Houthis bezeichneten damals ihre Angriffe als Vergeltung für den von Riad angeführten Militäreinsatz im Jemen. Dort herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den Houthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht.

Dramatische humanitäre Krise für Zivilbevölkerung im Jemen

Nach UN-Angaben wurden in dem Konflikt bereits Zehntausende Menschen getötet, unter ihnen tausende Zivilisten. 3,3 Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben, 24 Millionen Menschen aus dem Jemen sind auf Hilfslieferungen angewiesen. Die UNO spricht von der schlimmsten humanitären Krise weltweit.

Die immer häufiger stattfindenden Angriffe der Houthi-Rebellen zeigen, dass sie über fortschrittliche Waffen verfügen und damit eine ernsthafte Bedrohung für Saudi-Arabien und seine Ölanlagen darstellen.

USA machen Iran für Angriffe verantwortlich

Die US-Regierung macht hingegen den Iran für die Angriffe verantwortlich. US-Außenminister Mike Pompeo schrieb am Samstag auf Twitter: "Inmitten der Rufe nach Deeskalation hat der Iran jetzt einen beispiellosen Angriff auf die Welt-Energieversorgung verübt. Es gibt keinen Beweis, dass die Angriffe vom Jemen kamen."

Pompeo forderte alle Nationen dazu auf, die iranischen Angriffe "öffentlich und eindeutig" zu verurteilen. Die USA würden sicherstellen, dass der Iran für seine Aggression zur Rechenschaft gezogen werde. Das Weiße Haus teilte mit, US-Präsident Donald Trump habe dem saudischen Kronprinzen Mohammad Bin Salman in einem Telefonat "seine Unterstützung für Saudi-Arabiens Selbstverteidigung" angeboten. Die US-Regierung werde weiter darauf hinwirken, dass die globalen Ölmärkte ausreichend beliefert würden und stabil blieben.

IEA: Genügend Vorräte vorhanden

Am Standort Abkaik befindet sich die größte Ölaufbereitungsanlage von Aramco, das seinen Hauptsitz in der Stadt Dahran, 60 Kilometer südöstlich hat. In Churais liegt eines der Hauptölfelder des staatlichen Unternehmens, das sich auf seinen Börsengang vorbereitet. Dieser war ursprünglich für 2018 geplant, wurde aber aufgrund des Rückgangs der Rohölpreise auf dem Weltmarkt verschoben.

Der UN-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, hat sich "äußerst besorgt" über die Drohnenangriffe geäußert. Auch die "militärische Eskalation" sei sehr "besorgniserregend", erklärte Griffiths am Samstag.

Die Internationale Energieagentur twitterte am Samstagabend, dass sie die Situation in Saudi-Arabien "genau beobachtet" und in Kontakt mit den größten ölproduzierenden und -verbrauchenden Nationen sei. Die Märkte seien aber vorerst gut mit Vorräten ausgestattet.

(APA, AFP, Reuters, dpa, red, 14.9.2019)