An mehreren Stellen wurde die Ölproduktionsanlage Abqaiq in Brand geschossen, wie Satellitenbilder zeigen.

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US-Präsident Donald Trump sieht alle Optionen im Umgang mit dem Iran offen – einen militärischen Konflikt will er aber vermeiden.

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Die Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Schäden, die die Drohnenangriffe am vergangenen Samstag an den Ölproduktionsanlagen in Saudi-Arabien hinterlassen haben. Die Betriebe des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Abqaiq und Khurais wurden bei der Attacke an mehreren Stellen in Brand geschossen. Die Rauchschwaden bedeckten das Land kilometerweit, zurück blieben ausgebrannte Industrieanlagen.

DER STANDARD

Die Frage nach der Urheberschaft des Angriffs beschäftigte auch am Montag die internationale Gemeinschaft. Die jemenitischen Huthi-Rebellen hatten direkt nach der Attacke die Verantwortung übernommen und erklärt, diese mit insgesamt zehn Drohnen durchgeführt zu haben. US-Außenminister Mike Pompeo schob jedoch umgehend dem Iran die Schuld zu. Verteidigungminister Mark Esper nannte die Angriffe "beispiellos": Sein Land arbeite mit internationalen Partnern um die "regelbasierte internationale Ordnung" zu schützen, die der Iran angreife.

Der Chef der beiden Minister legte in der Nacht auf Montag nach: "Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Schuldigen kennen, und warten mit gesicherter und geladener Waffe auf die Bestätigung", drohte US-Präsident Donald Trump via Twitter. Am Abend wollte er sich allerdings noch nicht festlegen: Es schaue "gewiss so aus, als wäre der Iran der Übeltäter", man warte aber noch auf Bestätigungen. "Die USA haben viele Optionen, aber schauen diese derzeit noch nicht an". Einen militärischen Konflikt mit dem Iran werde er aber "sicherlich vermeiden wollen". Schutz habe er den Saudis jedenfalls nicht versprochen: "Wir werden uns mit ihnen an den Tisch setzen und etwas ausverhandeln müssen", sagte er.

Moskau bietet Hilfe an

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin sieht angesichts solcher Äußerungen die Chance für sich, und die Rüstungsindustrie seines Landes, ins Gespräch zu bringen. Er schaltete sich am Montag in die Diskussion ein: Er bot Saudi-Arabien Waffensysteme an: "Wir sind bereit, Saudi-Arabien angemessen zu unterstützen", sagte er am Montag bei einem Gipfel im türkischen Ankara. Der Präsident verwies dabei auf die Raketenabwehrsysteme S-300 und S-400. Diese Waffen "werden zuverlässig jede Infrastruktur in Saudi-Arabien schützen".

Irans Präsident Hassan Rohani wies jedenfalls die Vorwürfe der USA strikt zurück. Diese seien ein Ablenkungsmanöver von den zahlreichen Todesopfern der saudischen Luftangriffe im Jemen. Es sei die Präsenz der USA in der Region, die die Probleme schaffe. "Wenn wir wirkliche Sicherheit in der Region haben wollen, dann muss die amerikanische Aggression aufhören", erklärte Rohani. Später sprach er von einer "verhältnismäßigen Reaktion des jemenitischen Volkes" auf die Angriffe der saudi-geführten Anti-Huthi-Koalition.

Spekulationen

Die schiitischen Huthis drohten am Montag mit weiteren Angriffen auf die Infrastruktur der Saudis. Doch ein Sprecher der saudischen Militärkoalition widersprach, der Jemen sei nicht der Ausgangspunkt der Drohnenattacken gewesen. Dabei seien iranische Waffen eingesetzt worden, die nicht vom Jemen aus gestartet wurden, sagte Oberst Turki al-Malki bei einer Pressekonferenz in Riad. Auch der Vertreter Jemens bei den Vereinten Nationen erklärte, es sei unklar, wer für die Angriffe verantwortlich ist.

Die USA wollen Beweise haben. Auf Satellitenbildern lassen sich nach US-Darstellung mindestens 17 Einschläge erkennen. Dabei sollen sowohl Drohnen als auch Raketen von Norden oder Nordwesten eingesetzt worden sein – was bedeute, dass sie entweder auf iranischem oder irakischem Territorium abgefeuert worden seien.

Schon seit dem Wochenende wird spekuliert, dass für den Angriff irakisches Gebiet genutzt wurde. So könnte es sich um eine Vergeltungsaktion für einen israelischen Drohnenangriff auf Schiitenmilizen im Irak im August handeln, der von Saudi-Arabien koordiniert worden sein soll. Vom Südirak aus wären es auch nur rund 500 Kilometer zu den saudischen Ölanlagen, während von den Huthi-Gebieten die doppelte Distanz unentdeckt zurückgelegt werden müsste.

Von wo auch immer die Drohnen gestartet wurden: Zaghaft geäußerte Hoffnungen auf direkte Gespräche zwischen Rohani und Trump am Rande der UN-Vollversammlung in New York sind mit der aktuellen Zuspitzung jedenfalls hinfällig. "Ein solches Treffen wird es nicht geben", erklärte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums. Trump bezeichnete Medienberichte, er sei ohne Bedingungen zu einem Treffen bereit, als "wie üblich falsch".

Mahnung zur Besonnenheit

Großbritanniens Außenminister Dominic Raab verurteilte den Angriff am Montag. Dieser sei ein mutwilliger Verstoß gegen internationales Recht. "In der Frage der Verantwortung ist das Bild nicht eindeutig", erklärte er jedoch im Widerspruch zu Washington. Eine internationale Reaktion könne erst erfolgen, wenn alle Fakten bekannt seien. Ähnlich äußerte sich der deutsche Außenminister Heiko Maas, der eine Deeskalation forderte. Auch die EU und China mahnten, vor Schuldzuweisungen die Fakten zu prüfen.

Die Tatsache, dass die iranischen Revolutionsgarden am Montag erneut ein Tankschiff im Golf aufbrachten, dürfte die Spannungen weiter verschärfen – auch, wenn zur Angelegenheit bisher wenig bekannt war. Die Iraner sprachen von angeblichen Schmuggel, sagten aber nichts zu Herkunft und Besitzern des Schiffes. (Michael Vosatka, 16.9.2019)