Am 2. Dezember ist der erste Verhandlungstermin angesetzt.

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Die Verhandlung zwischen dem britischen Taucher Vernon Unsworth und Tesla-CEO Elon Musk ist zwar noch nicht gestartet, doch die Vorbereitungen beider Seiten laufen auf Hochtouren. Der Prozess dreht sich um eine Auseinandersetzung auf Twitter im Rahmen einer Rettungsaktion für eine im Juli 2018 in einer überfluteten Höhle eingesperrte thailändische Jugendsportmannschaft.

Unsworth, der beratend für die Rettungskräfte tätig war, hatte die Tauglichkeit eines Mini-U-Bootes infrage gestellt, das Techniker von SpaceX im Auftrag von Musk entwickelt hatten. Dieses sei ein PR-Stunt und Musk könne es sich "dahin stecken, wo es weh tut", so Unsworth. Musk reagierte darauf erbost. In einem Tweet bezeichnete er den Taucher unter anderem als "Pedo guy" ("pädophilen Typen"), Unsworth reichte Klage ein. Wie Musks Anwälte nun erklären, will er seine Worte aber gar nicht so gemeint haben, schreibt der Guardian.

Anwälte: "Pedo guy" keine Tatsachenbehauptung

Es habe sich um "Beleidigungen" und nicht "Anschuldigungen" gehandelt, heißt es von Musks rechtsfreundlichen Vertretern nun in einer an das Gericht übermittelten Verteidigungsschrift.

"'Pedo guy' war eine gängige Beleidigung in Südafrika, wo ich aufgewachsen bin", wird Musk darin zitiert. "Es ist ein Synonym für 'gruseliger alter Mann' und dafür gedacht, das Aussehen und Verhalten einer Person zu beleidigen, nicht um sie der Pädophilie zu bezichtigen." Es gebe keine Beweise dafür, dass Musks Aussagen dafür gedacht gewesen seien, für bare Münze genommen zu werden, argumentieren die Anwälte. Mit der gleichen Begründung – da es sich um eine nicht wörtlich gemeinte Beleidigung handle, falle diese unter die Meinungsfreiheit – wollten sie zuvor schon Unsworths Klage erfolglos abweisen lassen.

Musk legte nach

Ob diese Verteidigungsstrategie halten wird, bleibt abzuwarten. Mit späteren Nachrichten könnte Musk diese Argumentation deutlich erschwert haben. An einen anderen Nutzer tweetete Musk, dass er "darauf wetten" würde, dass es so sei.

Zudem sprach er bald darauf von "verstörenden Informationen", die ein privater Ermittler für ihn ausgegraben hätte. So sei Unsworth in seiner ehemaligen Wohngegend Pattaya Beach, die als Prostitutions-Hotspot gilt, bekannt. Er habe eine Vorliebe für junge Thai-Mädchen und schon viele Gogo-Bars besucht. Mit seiner heutigen Partnerin habe er ein Verhältnis geführt, als diese noch ein "junges Mädchen" gewesen sei. Die Informationen habe er allerdings stets über seinen Anwalt bekommen und die mit dem Ermittler direkt geredet.

Journalist soll aussagen

Gegenüber dem Buzzfeed-Journalisten Ryan Mac ging Musk soweit, Unsworth als "Kindervergewaltiger" zu bezeichnen und forderte auf, dazu weiter zu ermitteln. Buzzfeed hatte im Vorfeld dazu keine Hinweise gefunden, die die Angaben über Unsworth bestätigt hätten.

Musks E-Mail wurde von Mac veröffentlicht, ob die Aussage des Tech-CEOs als "off the record" (nicht zur Veröffentlichung) gedacht war, oder nicht, blieb strittig. Musks Anwälte wollen den Redakteur bei dem Prozess ebenfalls vorladen lassen. Bei Buzzfeed sieht man einen Vergeltungsakt wegen der "kritischen Berichterstattung" und bekämpft die Vorladung.

Unsworth hatte die Behauptungen von Musk stets bestritten. Bis zum Prozessbeginn haben beide Seiten freilich noch Zeit für allerlei schriftliche Eingaben und Vorladungen. Der erste Verhandlungstermin wurde für den zweiten Dezember angesetzt. (red, 17.09.2019)