Die Kletterei aus der Perspektive von Pilz.
DER STANDARD

Am Fuß des Windrads hatte Jessica Pilz ein Grinsen im Gesicht. "Es war meine höchste, aber nicht meine schwierigste Route", sagte die Vorstieg-Weltmeisterin von 2018. Sie kletterte als Erste über die eigens für eine Aktion von IG Windkraft und Wien Energie montierten Klettergriffe auf das 52 Meter hohe älteste Windrad Wiens auf der Donauinsel. "Es war eine coole Erfahrung", sagte Pilz.

Aus Rücksicht auf die anwesenden Journalisten, die sich danach versuchen durften, war die Route freilich in einer Schwierigkeit gesteckt, die eine Koryphäe Marke Pilz normalerweise "Leiter" nennt. Spaß hatte die 22-Jährige trotzdem, in drei entspannten Minuten war sie oben. "Ein bisserl Adrenalin ist dabei. Unten war ich nervös, aber es ist dann besser geworden", sagte sie.

Einen Monat davor waren die Aufgaben noch ungleich härtere, die WM in Hachioji war "von den Ergebnissen her enttäuschend". Pilz' beste Platzierung war ein sechster Platz im Vorstieg, dort war sie Titelverteidigerin. Immerhin holte sie im Kombinationsbewerb eines von sieben Olympiatickets – für die meisten Athletinnen und Athleten war das das Hauptziel der WM.

Später Jubel

Auch das ging nicht ohne zwischenzeitliche Enttäuschung. Pilz scheiterte im Halbfinale, war Gesamtzehnte. "Eigentlich habe ich geglaubt, es ist vorbei und geht sich nicht aus", erzählt die Niederösterreicherin.

Rauf.
Foto: Astrid Knie

Da aber vier Japanerinnen vor ihr klassiert waren, nur zwei pro Nation zu Olympia dürfen und Japan ohnehin ein Fixticket hat, reichte es gerade noch für die Qualifikation. "Drei Stunden nach dem Ende des Bewerbs sind die Betreuer und mein Manager zu mir ins Zimmer gekommen und haben mir erzählt, dass es sich doch ausgeht. Da waren ein paar Freudentränen dabei."

Von oben.
Foto: Klaus Rockenbauer

WM, Windrad, Weltcup

Nach der WM kletterte Pilz am Fels und bei verschiedenen Wettbewerben, nun geht der Ernst des Weltcups wieder los, und zwar Ende September in Kranj (Slowenien). Dann kommt die EM in Edinburgh, 2015 und 2017 holte Pilz im Vorstieg Bronze. "Dann schaue ich weiter, ob ich bei den Weltcups in China und Japan starte oder nicht – aber eher nicht."

Jessica Pilz, am Boden.
Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Mit Saisonende beginnt die Vorbereitung auf Olympia. "Ich werde im Winter einen gescheiten Speed-Block einlegen, dass ich da mal aufhole. Im Frühjahr werde ich an meiner Form für Vorstieg und Bouldern arbeiten." Was nicht heißt, dass jetzt gefaulenzt wird: Vom Windrad fuhr Pilz direkt zum Flughafen und flog nach Innsbruck. "Am Nachmittag steht noch ein Training an." Dafür war das Windrad dann doch nicht hoch genug. (Martin Schauhuber, 17.9.2019)

Anmerkung: Die Klettergriffe waren über Rundseile angebracht und wurden nach der Aktion wieder entfernt, die von einer Künstlerin gestaltete Verzierung des Windrads bleibt hingegen. Wer Ideen für die Gestaltung eines Windrads hat, kann diese beim Kunstwettbewerb zum Tag des Windes einreichen.