Ein Hattrick: Erling Haaland war nicht aufzuhalten.

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Salzburg spielte sich als toll kombinierende Mannschaft in einen Rausch.

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Andreas Ulmer (re.) gab wie immer einen vorbildhaften Kapitän.

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Sechs Jahre ist die Champions League gut ohne österreichischen Verein ausgekommen. Als erster Bundesliga-Klub überhaupt qualifizierte sich Meister Salzburg für die Gruppenphase direkt und feierte im ersten Gruppenspiel zu Hause gegen den belgischen Meister KRC Genk mit einem fulminanten 6:2-Sieg eine gelungene Premiere in der Königsklasse.

Die Euphorie war groß in Salzburg, in der Stadt spielte es sich ab wie sonst nur bei den Festspielen. Plakate mit den Bullen-Kickern prangten an öffentlichen Plätzen, Kultur rückte ausnahmsweise in den Hintergrund. Als das Energydrink-Imperium Red Bull den SV Austria Salzburg 2005 übernommen und umgetauft hatte, wurde von Dietrich Mateschitz der Einzug in die Gruppenphase der Champions-League als Ziel vorgegeben. Daraus wurde eine Sehnsucht, die erst nach 14 Jahren gestillt werden konnte.

Vollgas vom Anpfiff weg

Und da Austria Salzburg 1994 alle Champions-League-Spiele gegen AEK Athen, Ajax Amsterdam und den AC Milan im Wiener Happel-Stadion ausgetragen hatte, war das Duell mit Genk das allererste Königsklassen-Match auf Salzburger Boden überhaupt. Es sollte ein denkwürdiger Abend werden in der mit 29.520 Zuschauern ausverkauften Red-Bull-Arena.

Die bis in die Haarspitzen motivierten Salzburger legten einen Blitzstart hin. Tormaschine Erling Haaland traf schon nach zwei Minuten zur 1:0-Führung. Defensiv-Mittelfeldmann Bernede passte zu Minamino, der schob einem belgischen Verteidiger ein Gurkerl und schickte Haaland in den Strafraum, der Norweger netzte wie zuletzt auch in der Liga gnadenlos ein.

Salzburg schnürte Genk in der eigenen Hälfte ein und ließ lange Zeit keinen Schuss aufs eigene Tor zu. 21. Minute: Haaland vergibt das 2:0 per Kopf. In der 34. Minute dann doch der Doppelpack: Der Norweger läuft unaufhaltbar aufs Tor, erhöht auf 2:0 nach starker Balleroberung und Assist von Hwang. Genk konnte einem schon jetzt richtig leidtun. Junuzovic spielt nur zwei Minuten später eine Balleroberung volley in den Lauf von Hwang, ein Pass zum Zungeschnalzen. Der Südkoreaner belohnte sich selbst mit einem Tor.

Abwehrschwächen

So unglaublich stark Salzburg in der Offensive zuletzt spielte, in der Defensive zeigt der Europa-League Halbfinalist des Vorjahres Schwächen. Diese sind auch Trainer Jesse Marsch nicht verborgen geblieben: "Wir hatten diese Saison viele gute Momente bei Offensivstandards, aber wir müssen bei Defensivstandards noch viel besser aufpassen." Leider nicht aufgepasst wurde in der 40. Minute, als Genks Lucumi nach einem Freistoß im Strafraum zum Schuss kam und auf 1:3 verkürzte. Goalie Stankovic war chancenlos.

Wer glaubte, dass Salzburg nun nervös werden würde, hatte sich getäuscht. 1,91 Meter groß, bullig und im Strafraum nur schwer zu kontrollieren: Erling Haaland zerstreute alle Zweifel an einem klaren Heimsieg mit einem (fast) lupenreinen Hattrick in der 45. Minute. Seine elf Treffer in der Bundesliga lassen Traditionalisten bereits um Hans Krankls Rekord aus der Saison 1977/78 (41 Treffer) bangen. Nur zwei Minuten später erhöhte der starke Szoboszlai aus kurzer Distanz auf 5:1, der unermüdliche Minamino leistete mit Sprint über das halbe Feld und einer Flanke die Vorarbeit.

Nach der Pause das gleiche Spiel: Salzburg pushte, das nächste Tor gelang aber Genk. Weil Salzburgs Innenverteidigung schwächelte, Ramalho und Wöber nach einer Flanke auf Samatta vergaßen (52.). Salzburg blieb aber torgeil. Ulmer stellte nach Doppelpass mit Junuzovic auf 6:2 (66.). Die Belgier offenbarten immer wieder horrende Abwehrschwächen.

Mit dem Sieg gegen Genk ist Salzburg mittlerweile 19 Europacup-Spiele in Serie in der Red-Bull-Arena ungeschlagen, in den letzten zehn Partien gab es gar neun Siege. Weiter geht es am 2. Oktober auswärts als Tabellenführer in Liverpool. Die Engländer verloren überraschend 0:2 bei Napoli. (Florian Vetter aus Salzburg, 17.9.2019)

Champions League, Gruppe E, 1. Runde, Dienstag

Red Bull Salzburg – KRC Genk 6:2 (5:1)
Red-Bull-Arena, 29.520 Zuschauer (ausverkauft), SR Felix Zwayer (GER)

Torfolge:
1:0 (2.) Haaland
2:0 (34.) Haaland
3:0 (36.) Hwang
3:1 (40.) Lucumi
4:1 (45.) Haaland
5:1 (45.+2) Szoboszlai
5:2 (52.) Samatta
6:2 (66.) Ulmer

Salzburg: Stankovic – Kristensen (83. Farkas), Ramalho, Wöber, Ulmer – Bernede, Junuzovic – Minamino, Szoboszlai (62. Okugawa) – Hwang, Haaland (72. Daka)

Genk: Coucke – Maehle, Dewaest, Lucumi, Uronen – Berge, Hrosovsky, Heynen (85. Onuachu) – Ndongala (72. Hagi), Samatta, Ito (46. Bongonda)

Gelbe Karten: Kristensen, Bernede, Szoboszlai bzw. Bongonda, Samatta