Der venezolanische Oppositionspolitiker Edgar Zambrano wurde in der Nacht auf Mittwoch nach seiner Freilassung von seinen Unterstützern empfangen.

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Caracas – Nach mehr als vier Monaten ist der stellvertretende Präsident des venezolanischen Parlaments aus der Haft entlassen worden. "Ich hätte zu keinem Zeitpunkt in Haft sein dürfen", sagte Edgar Zambrano nach seiner Freilassung am Dienstag. "Es war eine schwierige Situation, in der die Verfassung für 135 Tage nicht galt, in denen ich hinter Gittern war. Wir waren in Gefangenschaft, praktisch wie Tiere."

Zambrano war im Mai festgenommen worden, weil er an dem gescheiterten Umsturzversuch des selbst ernannten Interimspräsidenten Juan Guaidó beteiligt gewesen sein soll. Ihm wurden Vaterlandsverrat, Rebellion und Verschwörung vorgeworfen. Generalstaatsanwalt Tarek William Saab begründete seine Freilassung nun mit den neuen Verhandlungen zwischen der Regierung von Präsident Nicolás Maduro und einer kleinen Gruppe abtrünniger Oppositioneller.

Druck der Bürger

"Die Freilassung von Zambrano und den politischen Häftlingen ist ein Sieg durch den Druck der Bürger, nicht eine nette Geste der Diktatur", schrieb Guaidó auf Twitter. Kurz zuvor hatte die von der Opposition kontrollierte Nationalversammlung Guaidó als Parlamentspräsident und Übergangsstaatschef bestätigt.

Francisco Torrealba, ein Mitglied der Maduro nahe stehenden Verfassungsgebenden Versammlung schickte der Nachrichtenagentur Reuters ein Foto von Zambrano mit seiner Familie. Timoteo Zambrano, ein oppositioneller Parlamentarier, der nicht mit Edgar verwandt ist, postete auf Twitter ein Video, in dem Edgar Zambrano vor der Militärbasis sprach, in der er festgehalten worden war. "Der Prozess zur Befreiung politischer Gefangener hat begonnen", kommentierte Timoteo Zambrano.

Maduro und Guaidó liefern sich in dem südamerikanischen Krisenstaat seit Monaten einen erbitterten Machtkampf. Parlamentspräsident Guaidó erklärte sich im Jänner selbst zum Übergangspräsidenten und wird von mehr als 50 Staaten anerkannt, unter ihnen Österreich, Deutschland und die USA. (APA, 18.9.2019)