Turki al-Malki präsentierte Trümmer mehrerer abgestürzter Flugkörper.

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US-Außenminister Pompeo besucht am Mittwoch das verbündete Königreich.

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Auch Jemens Huthi-Rebellen gaben am Mittwoch eine Pressekonferenz.

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Riad – Nach den Angriffen auf wichtige Öleinrichtungen in Saudi-Arabien hat ein Militärsprecher des Königreichs den Iran für die Attacken mitverantwortlich gemacht. Die Angriffe seien "ohne Frage vom Iran gefördert" worden, sagte Turki al-Malki am Mittwoch in der saudischen Hauptstadt Riad.

Bei dem Angriff auf die Ölraffinerie in Abqaiq seien insgesamt 18 Drohnen eingesetzt worden, bei der Attacke auf die Ölanlagen in Khurais insgesamt sieben Marschflugkörper. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Raketen nicht aus dem Jemen abgefeuert worden seien, sondern aus dem Norden kamen. Das saudi-arabische Verteidigungsminister legte Trümmerteile und Videoaufnahmen vor, die die Verwicklung des Iran belegen sollen. Es seien iranische Drohnen mit Deltaflügeln sowie Ya-Ali-Marschflugkörper eingesetzt worden, erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums.

"Kriegerische Akt"

Indessen kam US-Außenminister Mike Pompeo am Mittwoch in der saudischen Hauptstadt Riad an, wo er mit dem Königshaus über die Reaktion auf die Angriffe beraten wollte. Er nannte die Angriffe einen "kriegerischen Akt gegen Saudi-Arabien". Die USA machen den Iran seit Tagen für die Angriffe verantwortlich: Sie seien laut Geheimdiensterkenntnissen "höchstwahrscheinlich" von einer iranischen Basis nahe der Grenze zum Irak ausgegangen, sagten anonyme US-Regierungsvertreter. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor zumindest eine Entscheidung schon getroffen. Er gab via Twitter bekannt, dass die USA ihre Sanktionen gegen den Iran deutlich verschärfen würden. Welche Maßnahmen er Finanzminister Steven Mnuchin genau aufgetragen habe, sagte er vorerst nicht.

Der Iran reagierte mit einem erneuten Dementi. Ein Berater von Präsident Hassan Rohani sagte, Saudi-Arabien habe mit der Pressekonferenz bewiesen, dass die Regierung in Riad "gar nichts" wisse. Außenminister Mohammed Javad Zarif warf den USA vor, einen "wirtschaftlichen Krieg" gegen sein Land zu führen.

Die Vereinten Nationen haben ein Expertenteam zur Untersuchung in das Königreich geschickt.

Drohungen gegen Emirate

Aus Saudi-Arabien hieß es zuvor, es sei jedenfalls nicht möglich, dass die Angriffe vom Jemen ausgingen. Die Attacken für sich reklamiert hatten die Huthi-Rebellen im Jemen, die mit dem Iran verbündet sind. Dies solle nur die Beteiligung des Iran verschleiern, sagte Malki. Die Huthis selbst haben am Nachmittag dennoch mit weiteren Drohungen reagiert. Sie würden als Nächstes die Vereinigten Arabischen Emirate angreifen, sagte ein Sprecher. Er verwies auf Drohnen, die sich im Besitz der Miliz befänden.

Zuvor hatte bereits der saudische Botschafter in London der BBC gesagt, dass es "so gut wie sicher ist, dass der Iran die Angriffe unterstützt hat". Es gelte aber. zuerst mit den USA, Großbritannien, der Uno und anderen Partnern die Lage zu klären und herauszufinden, woher die Luftangriffe gekommen seien.

Der Angriff sei aus nördlicher Richtung erfolgt, erklärte Turki al-Malki.
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Zur Dauer der Lieferausfälle gab es erstmals konkrete Angaben: Die Hälfte der eingebrochenen Ölproduktion sei bereits wiederhergestellt, spätestens Ende September soll die Ölverarbeitung wieder das frühere Niveau erreichen, hieß es vom staatlichen Ölkonzern Saudi Aramco.

Irans Präsident: Drohnenangriff war "Warnung"

Am Samstag hatten mehrere Drohnenangriffe unter anderem die größte saudische Ölraffinerie getroffen und die Produktion auf etwa die Hälfte des üblichen Volumens gesenkt. Zu den Attacken auf die Ölanlagen des Staatskonzerns Aramco in Abqaiq und Khurais hatten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen bekannt.

Der Iran hat Anschuldigungen Washingtons, für die Attacken verantwortlich zu sein, wiederholt zurückgewiesen. Am Mittwoch sagte Präsident Rohani, dass Saudi-Arabien den Angriff als Warnung der Huthis gegen den Jemen-Krieg auffassen sollte – die einzige Lösung sei ein Ende des Krieges. "Sie haben kein Krankenhaus getroffen, sie haben keine Schule getroffen. Sie haben nur ein Industriezentrum getroffen, um euch zu warnen", sagte Rohani. Er betonte auch, dass er keinen Krieg in der Region wolle.

Einem Medienbericht zufolge erörtert die US-Regierung derzeit mögliche Reaktionen auf die Drohnenangriffe. Unter anderem sei über einen Cyberangriff und einen Militärschlag gegen die iranische Ölinfrastruktur oder die Revolutionsgarden beraten worden, berichtete NBC News. (fmo, mesc, bed, APA, 18.9.2019)