Rambo und sein bester Freund, das Survivalmesser. Es hilft gegen das Böse in der Welt.

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Es wird dunkel im Kino. Ein das Ohrenschmalz in sein Quellgebiet zurücktreibender Donnerschlag fährt in den Magen wie ein unterirdischer Kernwaffentest im Keller des Nachbarhauses. Er bedroht im Saal vor allem jetzt ganz verschreckt in die Sitze gepresste Menschen mit Herzschrittmacher oder mit leerem Magen. Zum Beuschl und dem Reißen desselben werden wir später noch einmal kommen.

Erst einmal wird es nun in der tiefen amerikanischen Nacht ein wenig Licht. Wir sehen Hubschrauber, Rettungsteams und einen einsamen Reiter der "Apocalypse Now" in einem als Unwetter durchgehenden Starkregen. Der Schatten im Halbdunkel versucht im Wald drei verirrten Wandersleuten das Leben zu retten, die vor einem Sturzbach aus den Bergen flüchten. Trefferquote 33,3 Prozent periodisch. Das Pferd überlebt natürlich auch.

Prepper und Reichsbürger

Der Mann nennt sich Rambo I (First Blood) bis Rambo V (Last Blood). Neben seinen Brüdern Sylvester Stallone und Rocky Balboa Nummer eins bis acht sieht er mit seinen 73 Jahren in der Arena, dass es nun langsam als Idol der Reagan-Ära genug ist mit dem Kampf gegen das eigene Sterben oder den Tod anderer Leute.

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Wieder daheim auf der Ranch seines verstorbenen Vaters nah an der mexikanischen Grenze in Arizona will ihm aufgrund des nur teilweise erfolgreichen Rettungseinsatzes das Essen trotzdem nicht so recht schmecken. Die Ziehtochter Gabrielle wird noch dazu bald aufs College gehen und vorher noch ihren nichtsnutzigen leiblichen Vater drüben in Ciudad Juárez kennenlernen. Diese Idee ist sehr schlecht.

Kein Grund zur Lebensfreude also. Und die Psychopharmaka, die John Rambo schluckt wie unsereins die Globuli in der Bach-Blütentherapie, sind unten im Keller gebunkert. In dem lebt unser traurig wie ein begossener Basset-Hund dreinblickender Kampfmönch in einem an seinen Vietnamkrieg erinnernden, über zehn Jahre lang selbstgeschaufelten Tunnelsystem. Süßer Vogel Jugend! Als Prepper und Reichsbürger, der weiß, dass auch die große amerikanische Nation aufgrund sozialer Dings einmal den Bach runtergehen wird, hat er sich dort unten auf das letzte Gefecht gut vorbereitet.

Neben Pillen und Jause befindet sich dort unten auch ein Waffenlager mit Schwerpunkt Blitzkrieg, eine Schwertschmiede sowie Sprengfallen, Fallgruben, Pfeil und Bogen. In der zweiten Hauptrolle wird außerdem ein armlanges Survivalmesser auftreten. Dazu später. Siehe auch oben: Beuschl und Reißen.

Koksen und mit Mädchen handeln

Eigentlich will der nicht nur in der Muckibude, sondern auch von all den Kriegen, zuletzt 2008 in Burma, schwer gezeichnete Mann friedlich auf der Erde wandeln wie einst Kwai Chang Caine in Kung Fu. Schon gar nicht will er sich beim Wandeln dauernd irgendwelche Wickel einhandeln. Wickel zwingen Rambo nämlich dazu, die Medikamente abzusetzen. Bei hoher Schlagzahl muss er dann das in Massen auftretende Böse in der Welt im Akkord abschlachten. Daraus folgen schlimme neue Wunden am eigenen Körper sowie auf Familienpackungsgröße tranchierte Schurken.

Sylvester Stallone hat bei diesem großen Finale der Rambo-Reihe selbst am dreiseitigen Drehbuch mitgeschrieben. Als Choreograf der lustigen Fleischhackerszenen, die gut die Hälfte des bis aufs Blut inszenierten Hundertminüters einnehmen, hat auch Regisseur Adrian Grunberg alle Hände voll zu tun. Mit Get the Gringo und Mel Gibson war er allerdings schon bestens ins mexikanische Meuchelfach eingearbeitet.

Ziehtochter Gabrielle wird drüben in Mexiko jedenfalls bald Opfer eines Drogenkartells und Mädchenhändlerrings. Die in Rambo: Last Blood gezeigten Mexikaner sind überhaupt allesamt abgrundtief böse, schnupfen Kokain wie die Henker, reden mit komischem Akzent und tragen geschmacklosen Goldeselschmuck sowie schlechte Zähne, Häfenpeckerl und schmierige Haare.

Knochen brechen und Köpfe abschlagen

Die zur Prostitution gezwungene Tochter stirbt jetzt an einer Überdosis in den Armen ihres Ziehvaters. Rambo wird gefoltert, überlebt aber – und setzt die Medikamente ab. Fleisch wird mit dem Survivalmesser aufgeschnitten, Knochen werden gebrochen und aus dem Brustkorb geholt, Köpfe abgeschlagen oder durch Kugeln und Äxte zerfetzt.

Wir werden uns vor allem im letzten Abschnitt des Films in keiner Sekunde wundern, was bezüglich Gewaltpornografie alles möglich ist. Es! Ist!! LAUT!!! Irgendwann während des Films verspricht Rambo dem streng im Klischee badenden Oberbösen Hugo Martinez (gegeben von Sergio Peris-Mencheta), ihm das Herz herauszureißen. Wird Rambo dieses Versprechen halten? Gute Frage.

Am Ende herrscht jedenfalls wieder Frieden, im Tunnel wie auf Erden. Rambo sitzt auf der Veranda im Schaukelstuhl. Eh nett, wenn einmal Besuch vorbeischaut. Herrlich aber auch, wenn wieder Ruhe einkehrt. (Christian Schachinger, 19.9.2019)