Ein Schwarm von Watvögeln in Delaware in den USA. Bei den an den Küsten lebenden Vögeln war der Rückgang seit 1970 überdurchschnittlich stark.
Foto: Reuters

Es gilt als eines der wichtigsten Sachbücher des 20. Jahrhunderts: Rachel Carsons 1962 erschienener Klassiker Silent Spring (deutsch: Der stumme Frühling) war eine Art Gründungsmanifest der Umweltschutzbewegung.

Zum Erfolg des Buches trug auch sein Titel bei: Niemand will eine Welt, in der im Frühling keine Vögel mehr zu hören wären. Die litten damals unter DDT – und Carsons Buch trug dazu bei, dass dieses Insektengift in den USA 1972 verboten wurde.

Mitwirkung von Citizen Scientists

Man möchte meinen, dass sich die Vogelwelt in Nordamerika seitdem eher erholt hat. Doch genau das Gegenteil ist der Fall, wie nun eine großangelegte Studie mithilfe der Aufzeichnungen von Citizen-Scientists (im konkreten Fall: kundigen Amateurornithologen) herausgefunden hat. Wie das Team um Kenneth Rosenberg (Cornell University) im Fachblatt "Science" berichtet, dürfte sich der Nettovogelbestand in Nordamerika seit 1970 um fast drei Milliarden Exemplare reduziert haben. Das ist ein Verlust von nicht weniger als 29 Prozent.

Für die Untersuchung analysierten Rosenberg und seine Kollegen die vorhandenen langfristigen Aufzeichnungen über die Vogelpopulationen, um so die Nettoveränderungen von insgesamt 529 Vogelspezies in Kanada und den USA zu ermitteln. Laut den Autoren sind mehr als 90 Prozent dieses Verlustes auf zwölf Vogelfamilien zurückzuführen, darunter auch – und das ist eine der Überraschungen der Studie – so weitverbreitete Familien wie die Sperlinge, die Drosseln oder die Grasmücken.

Der Bestand der Vögel, die in Feld- und Wiesenlandschaften leben, sank besonders stark.
Foto: Rosenberg et al., Science 2019

Am schwersten betroffen sind demnach Vogelarten, die in Feld- und Wiesenlandschaften leben. Hier beträgt der Rückgang nicht weniger als 53 Prozent, bei einigen Arten ist der Bestand um drei Viertel geschrumpft.

Bestätigung globaler Trends

Im Großen und Ganzen decken sich die Ergebnisse mit jenen von analogen Studien in Europa, wo für einzelne Arten zum Teil noch dramatischere Rückgänge konstatiert wurden. Und auch bei den Ursachen für die schleichende Biodiversitätskrise kommen die Forscher in Nordamerika zu ähnlichen Erklärungen wie ihre europäischen Kollegen: Es sind vor allem menschliche Einflüsse wie die intensive Landwirtschaft inklusive Pestizideinsatz, Urbanisierung, aber auch streunende Hauskatzen.

Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: Die Bestände einiger streng geschützter Greif- und Wasservogelarten haben sich – auch dank Zuchtprogrammen – wieder erholt. (tasch, 20.9.2019)