Labour-Parteichef Jeremy Corbyn steht wegen seines Brexit-Kurses unter Druck.

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Tom Watson bleibt vorerst stellvertretender Vorsitzender der Labour-Partei.

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London – Die Auseinandersetzung in der britischen Oppositionspartei Labour über den Brexit gewinnt an Schärfe. Am Samstag scheiterte im Brighton bei der Labour-Jahreskonferenz der Versuch des linken Parteiflügels, den Posten des stellvertretenden Parteivorsitzenden abzuschaffen. Parteivize ist derzeit Tom Watson, der im Gegensatz zu Parteichef Jeremy Corbyn ein neues Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU vor Neuwahlen fordert. Corbyn strebt eine Volksbefragung erst nach Wahlen an.

Watson hielt seinen innerparteilichen Gegnern in einem BBC-Interview vor, so wütend über seine Brexit-Position zu sein, dass sie ihn lieber absetzen wollten statt mit ihm darüber zu diskutieren. Später sprach sich allerdings auch Corbyn gegen eine Abstimmung über den Antrag des linken Parteiflügels zur Abschaffung des Parteivizes aus, plädierte aber für eine Überprüfung der Posten des Stellvertreters und anderer Ämter, die den Parteichef unterstützen sollen.

Volk soll über Deal abstimmen

In einem Entwurf für eine Abschlusserklärung hieß es: Sollte Labour die Wahl gewinnen, werde sie "den Brexit binnen sechs Monaten auf die eine oder andere Weise regeln". Innerhalb von drei Monaten soll ein "vernünftiges Austrittsabkommen" sichergestellt werden, über das das Volk binnen sechs Monaten abstimmen soll. Auch die Option, in der EU zu bleiben, soll sich auf den Abstimmungszetteln finden. Die Erklärung muss beim Parteitag noch abgesegnet werden.

Dort wird man sich auch mit schlechten Umfragewerten beschäftigen müssen. Denn die regierenden Konservativen liegen laut einem im Auftrag der Zeitung "Observer" eingeholten Stimmungsbild deutlich vor Labour. Demnach käme die Partei von Boris Johnson auf 37 Prozent der Stimmen, während nur 22 Prozent ein Kreuz bei Jeremy Corbyn machen würden. (APA, red, 21.9.2019)