Bevor bei den teilstaatlichen Casinos Austria (Casag) der neue Vorstand bestellt war, wurde unter den Aktionären fest gestritten. Jetzt werden die Vorgänge intern untersucht.

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Die Frage, wie genau es zur Vorstandsbestellung in der Casinos Austria gekommen ist im Frühling, beschäftigt nicht nur die Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA). Auch intern werden die Vorgänge rund um die Kür Peter Sidlos zum Finanzvorstand des Glücksspielkonzerns untersucht; das hat der Aufsichtsrat am Dienstag beschlossen. Die Rechtsanwaltskanzlei Schima Mayer Starlinger werde mit dem Wirtschaftsprüfer KPMG einen Untersuchungsbericht erstellen, gab das Unternehmen nach der Aufsichtsratssitzung bekannt. Der Endbericht werde die Grundlage "für allfällige Schritte des Aufsichtsrates" sein, Sidlo bleibe für die Dauer der Prüfung auf Urlaub, also "mehrere Wochen" lang.

Die WKStA prüft ja den Verdacht, Ex-FPÖ-Bezirksrat Sidlo sei auf Basis eines Deals zwischen FPÖ und Casag-Miteigner Novomatic bestellt worden; es sei um Glücksspiellizenzen gegangen. Die Beschuldigten bestreiten das.

Streit unter Eigentümern

Eines steht aber fest: Der Bestellung waren Differenzen unter den Eigentümern (Sazka-Gruppe: 38 Prozent, staatliche Öbag: 33, Novomatic: 17 Prozent) und Besprechungen auf höchster Ebene vorausgegangen. Tschechische Sazka und Novomatic streiten ja miteinander; die Tschechen enthielten sich bei der Bestellung Sidlos dann auch ihrer Stimme.

Auch der damalige Finanzminister Hartwig Löger war engagiert, ressortiert doch die staatliche Beteiligungsgesellschaft Öbag zum Finanzministerium. Dem Vernehmen nach sei Löger bezüglich der Bestellung Sidlos skeptisch gewesen – habe aber nach einem Treffen mit Novomatic-Eigner Johann Graf seine Meinung geändert. Diese Besprechung fand Mitte Februar 2019 statt – im Hause Novomatic.

Minister bei Novomatic

Dort bestätigt man den Termin. Ein Novomatic-Sprecher: "Es gab ein Treffen mit Herrn Bundesminister Löger, bei dem auch Generaldirektor Harald Neumann anwesend war." Man habe über die öffentliche Debatte betreffend Casag-Vorstand gesprochen, Neumann habe dargelegt, dass er Sidlo als geeignet für den Posten des Finanzchefs erachte. Zur Erinnerung: Der Personalberater Egon Zehnder war anderer Meinung.

Ob und, wenn ja, wie die Novomatic-Granden beim Minister einen Sinneswandel erzeugten, wird nicht beantwortet. "Welche Sichtweise Herr Löger hatte und ob er diese allenfalls geändert hat, ist uns nicht bekannt." Beim Exminister kann man die Antwort auch nicht finden, er gibt keinen Kommentar. Allerdings ist aus staatsnahen Kreisen zu hören, dass man vor der Vorstandsbestellung vor allem bemüht war, die Forderung der Tschechen als größter Aktionär nach vier Vorstandsmitgliedern (zwei für die Sazka) abzuwehren.

Freundschaft zu Neumann

Dann habe man sich geeinigt, dass jeder Großaktionär seinen Kandidaten vorschlägt und man einander unterstütze. Der Minister sei zunächst nicht "gegen Sidlo gewesen, aber skeptisch", wird kolportiert. Er habe sich gesorgt, dass dieser nur wegen seiner Bekanntschaft mit Neumann vorgeschlagen werde und Novomatic nicht hinter ihm stehe. Diese Bedenken habe Löger beim Treffen mit Graf und Neumann ausräumen können.

Involvierte beschreiben ein Austriacum: Der Finanzminister habe Sidlo weder verhindert noch unterstützt. Und zuständig gewesen für seine Kür sei ja letztlich der Aufsichtsrat. (Renate Graber, 25.9.2019)