Präsident Macron ist not amused.

Foto: REUTERS/Yana Paskova

Nicht nur Donald Trump kritisiert Greta Thunberg. Der US-Präsident hat die zornige Rede der jungen Schwedin vor dem Klimagipfel in New York mit den Worten kommentiert, sie sei sicher ein "sehr glückliches junges Mädchen", das sich auf eine "fröhliche und wunderbare Zukunft" freue. Ebenso höhnisch fügte er an: "Das ist nett zu sehen."

Überraschender war die Reaktion eines anderen Staatschefs. Emmanuel Macron bezeichnete Thunbergs Positionen als "sehr radikal". Der französische Präsident stört sich vor allem daran, dass Thunberg mit anderen Jugendlichen Klage gegen fünf Länder wegen Klimaverfehlungen einreichen will – Frankreich, Türkei, Brasilien, Deutschland und Argentinien.

Für Macron ist es fast schon ein Sakrileg, zusammen mit dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro genannt zu werden, nachdem er diesem politische Brandstiftung im Amazonas-Regenwald vorgeworfen hat.

Die Klage der Thunberg-Gruppe wird damit begründet, dass die Passivität der heutigen Regierungen ein Verstoß gegen Kinderrechte darstelle. Dass die fünf erwähnten Länder ausgewählt wurden, wirkt reichlich willkürlich, wenn nicht paradox. Als Begründung wird angegeben, das Quintett habe das Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention der Uno unterzeichnet; es mache die Einhaltung der Charta verbindlich und damit einklagbar.

Kinderrechtskonvention

Die fünf werden also getroffen, weil sie in Sachen Kinderschutz weiter gegangen sind als andere. Anders die schwersten Umweltsünder des Planeten: Die USA, Indien oder China haben die Kinderrechtskonvention zum Teil nicht einmal ratifiziert – das zwingende Recht des Zusatzprotokolls noch weniger. Letzteres ist zudem nicht nur von fünf, sondern von 44 Ländern abgesegnet worden. Wenn schon, gehörten sie alle an den Pranger.

All dies stößt Macron zu Recht auf. An Thunbergs Adresse meinte er, er habe "nicht den Eindruck, dass Frankreich oder Deutschland die Klimapolitik blockieren". Beide Länder wollten schließlich ihre Kohlekraftwerke abbauen und die Förderung von fossilen Brennstoffen stoppen. Statt sich auf Länder wie Frankreich einzuschießen, wäre es besser, gegen jene Staatsführungen zu mobilisieren, "die weiter blockieren", fügte Macron schnippisch an.

Seine Minister legten umgehend nach. Brune Poirson, Staatssekretärin für die Energiewende, fragte vor Pariser Medien, welche Lösungen Greta Thunberg vorzuweisen habe – um die Antwort gleich selber zu geben: "Ich weiß nicht, welche." Sie warf der Schwedin vor, die Welt fälschlicherweise "mit Verzweiflung, fast mit Hass" aufrütteln zu wollen. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer erklärte, Frankreich betätige sich in Sachen Kinder- und Umweltpolitik als internationale "Lokomotive".

Ärger in Kommunikationsteam

Der französische Ärger über Thunbergs Vorgehen wird verstärkt durch den Umstand, dass die Schwedin die – auch innenpolitisch motivierte – Kommunikationsstrategie ziemlich sabotiert. Der in seinem Land unter Beschuss stehende Jungpräsident war selber nach New York gereist, um sich wie schon beim jüngsten G7-Gipfel in Biarritz als globaler Dirigent der globalen Klimapolitik in Szene zu setzen. Anfang des Jahres hatte er Thunberg noch persönlich im Élysée-Palast empfangen. Der damalige Umweltminister François de Rugy sagte damals: "Die Jungen haben recht, man kann nie zu weit gehen." Heute sieht das Macron etwas anders. (Stefan Brändle, 24.9.2019)