Der höchste Berg der Alpen ist wegen des Klimawandels in Gefahr.

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Aosta – Am höchsten Berg der Alpen, dem Montblanc, macht sich die Erderwärmung gefährlich bemerkbar. Ein Teil des Planpinceux-Gletschers auf der italienischen Seite des Berges droht einzustürzen – 250.000 Kubikmeter Eis könnten jederzeit abbrechen.

Alarm geschlagen hatten die Behörden der Region Aostatal und Bergsicherheitsvereine, weil sich die Eismasse gefährlich schnell bewegte – um knapp 50 bis 60 Zentimeter pro Tag. Daraufhin verfügte die Gemeinde Courmayeur im Aostatal am Dienstag die Sperre zweier kommunaler Straßen. Die Stiftung Fondazione Montagna sicura warnte vor Eislawinen.

Der Planpinceux-Gletscher droht einzustürzen.
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"Solche Phänomene zeigen einmal mehr, wie sich das Gebirge wegen klimatischer Faktoren in einer Phase starken Wandels befindet und deshalb besonders verletzlich ist", sagte der Bürgermeister von Courmayeur, Stefano Miserocchi. Die Fondazione Montagna sicura untersuche den Gletscher seit 2013.

Laut italienischen Behörden bedrohen die Eismassen zwar keine Dörfer oder touristischen Einrichtungen. Allerdings mussten einige Berghütten evakuiert werden. Es sei aber unmöglich vorauszusagen, wann es zu dem Einsturz kommen könnte.

"Die Nachricht, dass ein Gletscher am Abhang des Montblanc einstürzen könnte, darf uns nicht gleichgültig lassen. Sie muss uns alle erschüttern und mobilisieren ", sagte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York am Dienstagabend.

Bergsteiger wandern nahe der Gletscherspalten des Glacier-du-Geant-Gletschers auf der französischen Seite des Montblanc.
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Der Montblanc, Monte Bianco auf Italienisch, ist mit 4.810 Metern der höchste Berg in der Europäischen Union und befindet sich auf der Grenze zwischen Frankreich und Italien. Der Berg besteht aus Granit und hat zwei völlig verschiedene Gesichter: Im Norden ist er rundlich und fast vollständig vergletschert, von Süden aus erscheint er als markanter Felsklotz mit steilen Wänden.

670 Millionen Menschen in höher gelegenen Bergregionen sind bei der Wasserversorgung auf Gletscher angewiesen. Aber der Klimawandel lässt diese Gletscher schnell zurückgehen. Das hat bereits zu einem Anstieg des Wasserabflusses geführt und die Wasserversorgung vorübergehend erhöht – ein Phänomen, das in Asien, den Alpen und Alaska beobachtet wird. Wenn die Speicher von Gletscherwasser schrumpfen, wird sich der aktuell zu beobachtende Effekt umkehren, wodurch Flüsse austrocknen könnten. Kleinere Gletscher in Regionen wie Ostafrika, den tropischen Anden und Indonesien verlieren bis 2100 voraussichtlich mehr als 80 Prozent ihrer derzeitigen Eismasse, wenn die Emissionen hoch bleiben. (red, APA, Reuters, 25.9.2019)