"Grundsätzlich ist es eine Ehrung", sagt Gabriela Krist über ihren Unesco-Lehrstuhl. "Es ist ein Sichtbarmachen der zwanzigjährigen Arbeit für unsere internationalen Aktivitäten und Projekte." Seit April hat die Leiterin des Instituts für Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst in Wien den Unesco-Lehrstuhl für die Erhaltung von Kulturerbe inne.

Es ist erst der siebente derartige Lehrstuhl in Österreich, international hat die Kulturorganisation der Vereinten Nationen seit den frühen Neunzigerjahren in 114 Staaten mehr als 700 von ihnen anerkannt. Ein Ziel der Unesco ist dabei eine internationale Vernetzung auf universitärer Ebene, um auf diese Weise einen Wissenstransfer zwischen den Partnern zu fördern.

Projekte in Asien

Diesen Ansatz verfolgte das Institut Krists freilich schon vor der Ehrung durch die Unesco. Passend zum Festakt anlässlich der Lehrstuhleröffnung wurde der Bildband "Beyond Borders – Conservation goes international" veröffentlicht. Darin werden die Projekte des Instituts in Asien von den Restauratorinnen und Restauratoren der Angewandten auf sehr persönliche Weise präsentiert. Seit zwei Jahrzehnten ist das Institut in mehreren asiatischen Ländern aktiv, darunter Indien, die Mongolei, Myanmar, Thailand, Nepal und China.

Gabriela Krist, Leiterin des Instituts für Konservierung und Restaurierung und Inhaberin eines Unesco-Lehrstuhls.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien

Die Mission des Teams von Krist und ihrer Projektkoordinatorin Martina Haselberger in Nepal steht kurz vor einem Abschluss – zumindest vor einer Zwischenetappe. Dort helfen die Experten des Instituts seit 2010 bei der Restaurierung der Palastanlage am Durbar Square in Patan. Die Anlage zählt zu den sieben Weltkulturerbestätten im Kathmandu-Tal. Im April 2015 erfuhr das Projekt einen jähen Schub an Brisanz: Ein Erdbeben verwüstete weite Gebiete in Nepal, tausende Menschen starben, hunderttausende verloren ihre Häuser. Auch der Patan Durbar Square erlitt schwere Schäden. Zwei Tempel und zwei freistehende Steinsäulen stürzten ein. Beinahe das gesamte Ensemble wurde beschädigt oder zerstört.

Der König war nach dem Erdbeben demütig gebeugt.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Mittlerweile sitzen er und seine Königinnen wieder in aufrechter Haltung auf der Spitze der Königssäule am Patan Durbar Square in Lalitpur, Nepal.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien

Starke Partner

Doch seither hat sich viel getan: Voraussichtlich kommendes Jahr sollen die wichtigsten Arbeiten in Patan abgeschlossen werden. Solche Fortschritte seien nur mit einem starken Partner vor Ort möglich, betont Krist – im Falle des Patan-Projekts der Kathmandu Valley Preservation Trust (KVPT) . Patan ist nur ein Ausnahmefall: In Kathmandu und Bhaktapur wurde bei manchen Monumenten mit dem Wiederaufbau noch nicht einmal begonnen. Daraus ergibt sich eines der großen Probleme, mit denen die Restauratoren immer wieder konfrontiert sind: Oft wird eine Politik des Vergessenmachens verfolgt. Dies ebnet den Weg für Spekulanten, denn die bedrohten Kulturgüter befinden sich meist in bester Lage.

Dieser Interessenkonflikt ist auch Thema bei den Veranstaltungen zum "Tag des Denkmals" am 29. September. An der Angewandten wird aus diesem Anlass im Heiligenkreuzer Hof der "Wiener Workshop Wiederaufbau" abgehalten. Der Bogen wird dabei vom Wiederaufbau Wiens nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu heutigen Projekten gespannt. Diese sind durch Naturkatastrophen bedingt wie in Patan oder aber durch Kriege wie im Falle des Wiederaufbaus im türkisch-syrischen Grenzgebiet.

Ein projektübergreifendes Herzensanliegen Krists ist die Ausbildung von Restauratoren in den asiatischen Partnerländern. So wird gerade daran gearbeitet, an der nepalischen Lumbini-Universität die Konservierung und Restaurierung in das bestehende Museologie-Studienprogramm einzubinden. Auch die Silpakorn-Universität in Bangkok ist mit der Bitte um Unterstützung bei der Einführung eines Masterlehrgangs in Cultural Heritage Preservation an Krist herangetreten.

Die Probleme gleichen sich in Thailand und Nepal: Noch gibt es wenig Verständnis für die Wichtigkeit des Restaurierungsfachs – begabte Künstler bleiben oft lieber bei ihrer Kunst. Doch die Pläne der Thais sind ambitioniert und sollen auch in die Nachbarländer ausstrahlen. Dazu wird nun mit Krists Expertise ein auf zwei Jahre ausgelegtes Studienprogramm gestrickt. Schon im Dezember sollen die Pläne vorgestellt werden. (Michael Vosatka, 27.9.2019)

Restauratorinnen im Einsatz.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Die Überreste der Königssäule vom Patan Durbar Square nach dem Beben.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Mit einem Kran wurden die einzelnen Elemente wieder auf ihre Position gebracht.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Die wiedererrichtete Königssäule im Jahr 2017
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Der Patan Durbar Square im Jahr 2017...
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
...und im Jahr 2019.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Der Harishankara-Tempel vor der Wiedererrichtung.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Der Harishankara-Tempel im Jahr 2019.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Eine Skulptur des Harishankara-Tempels vor...
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
...und nach der Restaurierung.
Der Vishveshvara-Tempel vor der Restaurierung...
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
...und während der Restaurierungsarbeiten.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Der Vishveshvara-Tempel im Jahr 2019
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Die goldverzierte Spitze des Taleju-Tempels vor der Restaurierung.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Elemente der Tempelspitze während der Restaurierungsarbeiten.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien
Der Taleju-Tempel im Jahr 2018.
Foto: Institut für Konservierung und Restaurierung, Universität für angewandte Kunst Wien