Erstautor Mark Kelly mit den eindeutig Hauptergebnissen seiner Untersuchung: Links ein Flusensieb nach sanften Waschgängen, rechts nach normalen.
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Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die eigene Abgabe beziehungsweise Aufnahme von Mikroplastik zu verringern. Besonders viele der winzigkleinen Kunststoffteilchen finden sich in Hygiene- und Kosmetikprodukten, die sich problemlos vermeiden lassen. Kleidung aus Synthetikfasern (insbesondere aus Fleece) geben ebenfalls jede Menge Mikrofasern ab, vor allem beim Waschen.

Dementsprechend sollte Kleidung aus Synthetikfasern möglichst selten gereinigt werden. Wenn es sich aber nicht mehr vermeiden lässt, welches Waschprogramm sollte dann gewählt werden? Die Intuition sagt: ein möglichst sanftes. Doch genau das ist laut einer neuen Studie britischer Forscher um den Dissertanten Max Kelly (Uni Newcastle) grundfalsch.

Erhebliche Mengen im Meer

Bisher durchgeführte Tests zeigten, dass bei einem Waschgang mit Kleidung aus synthetischen Fasern zwischen 500.000 und 6.000.0000 Fasern in das Abwasser abgegeben werden. Da die wenigsten Waschmaschinen über einen Mikroplastikfilter verfügen und auch Kläranlagen noch nicht wirklich dafür gerüstet sind, landen riesige Mengen der Fasern im Meer.

Um zu testen, welches Waschprogramm für das wenigste Mikroplastik sorgt, haben Kelly und seine Kollegen Tests gemeinsam mit der Firma Procter & Gamble, die in Newcastle ein Forschungszentrum betreibt, Tests mit schwarzen T-Shirts aus Kunststofffasern durchgeführt. Das Ergebnis war für alle Beteiligten überraschend.

Wurden die T-Shirts mit einem Feinwäscheprogramm gereinigt, fanden sich bis zu 800.000 Mikrofasern mehr im Abwasser, wie die Forscher im Fachblatt Environmental Science & Technology berichten.Die Erklärung für dieses kontraintuitive Ergebnis: "Sanftere" Waschgänge verwenden sehr viel mehr Wasser, das entsprechend mehr Fasern aus dem Gewebe löst. Die Forscher raten zudem, die Waschmaschine möglichst gut anzufüllen. Halb volle Ladungen haben einen ähnlichen Effekt wie "Feinwäsche".

Mikroplastik im teuren Tee

Nicht ganz so überraschend kommen die Ergebnisse einer weiteren Untersuchung, die ebenfalls soeben in Environmental Science & Technology erschien: Forscher um Laura Hernandez (McGill University) untersuchten, wie viel Mikroplastik durch Teebeutel aus Nylon abgegeben werden, die gern für hochwertige Tees verwendet werden. Die Zahlen erstaunen dann aber doch: Eine solcherart zubereitete Tasse Tee enthielt durchschnittlich 11,6 Milliarden Mikroplastikpartikel und 3,1 Milliarden von den noch kleineren Nanoplastikpartikeln. (tasch, 26.9.2019)