Die FPÖ finanzierte Norbert Hofers Gartenzaun – "aus Sicherheitsgründen".

Foto: AP/Gruber

Die Causa rund um exorbitante Spesen für den ehemaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache erfasst nun auch andere hochrangige Freiheitliche. Wie "Oe24" berichtet, soll die FPÖ auch den Gartenzaun von Straches Nachfolger Norbert Hofer bezahlt haben. Das sei "aus Sicherheitsgründen" bei Hofers Antreten zur Bundespräsidentschaftswahl 2016 erfolgt, bestätigte die FPÖ.

In einem Dossier, das "Oe24" zugespielt wurde, werden auch andere Spesen genannt. Diese dementiert die FPÖ allerdings strikt – sie droht sogar mit Klagen, sollten die Verdächtigungen übernommen werden. Für Strache, dessen Umfeld man in der FPÖ als Urheber der "Oe24"-Berichte verdächtigt, wird die Luft in der FPÖ nun immer dünner. Gegen ihn wird ja nicht nur wegen des Verdachts auf Postenschacher im Fall Casinos, sondern auch wegen womöglich falsch abgerechneter Spesen ermittelt.

Schon gehört?

Straches Leibwächter und eine Tankstelle in Bosnien

Im Fokus dieser Untersuchungen steht R., Straches ehemaliger Leibwächter. Dessen berufliche Nebenaktivitäten führen nach Bosnien. R. gründete dort 2013 die Firma RSM Aviation Trading: Ihre Adresse ist eine Tankstelle, die nur wenige Meter von der Republika Srpska entfernt ist. Schon länger kursierten Gerüchte, dass R. über diese Firma mit anderen Akteuren der Causa Ibiza verbunden ist, beispielsweise mit dem Wiener Anwalt M., der gemeinsam mit R. schon 2015 "belastendes Material" über Strache angeboten haben soll.

Angeblich soll sich der Firmennamen aus den Nachnamen der Beteiligten ergeben: R. steht für Straches ehemaligen Bodyguard, S. für einen Bekannten aus der Sicherheitsbranche und M. für den Wiener Anwalt, gegen den die Staatsanwaltschaft ebenfalls ermittelt – es gilt die Unschuldsvermutung. Auf Anfragen des STANDARD reagierten die Genannten nicht. Die Staatsanwaltschaft dementierte Informationen, dass sich Ermittler bereits mit dieser Firma auseinandersetzen sollen.

R. wird vorgeworfen, Privatausgaben von Strache mit Scheinbelegen abgerechnet zu haben. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Wien am Donnerstag erstmals offiziell. Am Montagabend war es zur Festnahme von R. gekommen, es folgten "umfangreiche Vernehmungen". Am Mittwoch kam R. dann wieder auf freien Fuß. Auch Straches ehemalige Büroleiterin Karin S. wurde einvernommen, sie wird ebenfalls als Verdächtige geführt – genau wie Strache selbst.

"Vielzahl von Dokumenten" auszuwerten

Die Staatsanwaltschaft Wien spricht davon, dass eine "Vielzahl von Dokumenten" sichergestellt wurde, die nun ausgewertet werden. Der Startschuss für die Ermittlungen fiel am 18. Februar, er dürfte auch auf eine anonyme Anzeige aus dem Umfeld der Ibiza-Hintermänner zurückgehen.

Diese sollen bereits seit 2015 über exorbitante und angeblich gefälschte Spesenrechnungen von Strache gewusst haben. Sie lieferten auch eine Art von "Inspiration" für das spätere Ibiza-Video. R. dürfte die Ibiza-Hintermänner über das Spesenmaterial informiert haben, an der Ibiza-Aktion aber nicht beteiligt gewesen sein. Er soll nun gegenüber Ermittlern eine "Lebensbeichte" abgelegt haben.

Der einstige FPÖ-Chef Strache weist alle Verdachtsmomente strikt von sich. Er habe alle Spesen immer ordnungsgemäß abgerechnet, diese hätten außerdem Ausgaben seines gesamten Teams umfasst, schrieb er auf Facebook. Dort teilte er auch einen dubiosen Blog, in dem wilde Verschwörungstheorien über die Causa verbreitet und sämtliche anderen Parteien in Österreich als Übeltäter dargestellt werden.

Straches Glaubwürdigkeit bröckelt

Allerdings bröckelt Straches Glaubwürdigkeit an mehreren Fronten. So besagt ein Gutachten zweier renommierter Wissenschafter der Berliner Charité, dass Strache auf Ibiza wohl nicht unter K.-o.-Tropfen gesetzt worden ist.

Der ehemalige Vizekanzler hatte nach dem Auftauchen des Ibiza-Clips behauptet, ihm sei wohl eine Substanz in sein Getränk gemischt worden – wie Johann Gudenus auch. Der hatte bereits selbst ein Gutachten erstellen lassen, das er jedoch nicht veröffentlichen will. Das neue Gutachten soll von einem der Ibiza-Hintermänner beauftragt worden sein. (Fabian Schmid, Olivera Stajić, 26.9.2019)