Trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan kommt es immer wieder zu Anschlägen.

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Kabul – Inmitten zunehmender Gewalt durch die radikal-islamischen Taliban wählen die Afghanen einen neuen Präsidenten. Nur wenige Stunden nach Öffnung der Wahllokale gab es bereits mehrere Explosionen. Nach Behördenangaben wurden am Samstag Vorfälle aus Kabul, Dschalalabad, Ghani und Kandahar gemeldet. Als aussichtsreichster Kandidat neben Amtsinhaber Aschraf Ghani gilt dessen Regierungschef und langjähriger Rivale Abdullah Abdullah.

Mindestens drei Menschen sind getötet worden. Weitere 24 seien verletzt worden, teilten lokale Behördenvertreter mit. Bei der Explosion einer Mine in einem Wahllokal in der östlichen Provinz Nangarhar im Bezirk Surkhrod sei mindestens eine Person getötet und drei verletzt worden, sagte der lokale Provinzrat am Samstag. Ein Wahlbeobachter wurde bei dem Einschlag einer Rakete in der Nähe eines Wahllokals in der nördlichen Provinzhauptstadt Kunduz getötet.

Versteckte Bombe in Moschee

Zudem wurden mindestens 13 Zivilisten und ein Polizist in der südlichen Stadt Kandarhar verletzt, als eine in einem Lautsprecher einer Moschee versteckte Bombe detonierte. Die Moschee sei als Wahllokal genutzt worden, sagte ein Polizeibeamter. In Kandahar wurden Behördenangaben zufolge seit Freitagabend mindestens 31 Sprengsätze von den Sicherheitsbehörden entschärft oder kontrolliert gesprengt.

Auch aus der Hauptstadt Kabul gab es Berichte über kleinere Explosionen und Verwundete. Behördenvertreter sagten, sie wollten diese erst später kommentieren, man sammle noch Informationen.

Taliban riefen zu Boykott auf

Die Taliban hatten die Bevölkerung aufgerufen, die Wahl zu boykottieren. Die Extremisten kontrollieren inzwischen mehr Territorium als zu irgendeinem Zeitpunkt seit ihrem Sturz durch die USA im Jahr 2001. Eine Einigung zwischen den USA und den Taliban, die in ein Friedensabkommen zwischen der Regierung in Kabul und den Islamisten hätte münden können, war kürzlich nach langen Verhandlungen gescheitert. Seitdem steigt die Gewalt in dem Land wieder.

Angebliche Organisationsmängel

Überdies behindern Organisationsmängel nach Berichten von örtlichen Medien und Wahlbeobachtern die Wahl. Die größten Schwierigkeiten gebe es mit Wählerlisten, sagte der Chef der unabhängigen Wahlbeobachtungsorganisation Freies und Faires Wahlforum (FEFA), Yusuf Rashid, am Samstag. Wähler, die sich zur Wahl registriert hätten, könnten ihre Namen nicht in den Listen ihres Wahlbüros finden. Andere Namen würden nicht in den biometrischen Geräten erscheinen.

Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) hatte vor der Wahl erklärt, Wählerstimmen ohne biometrische Erfassung seien ungültig. Damit soll Wahlfälschung verhindert werden. Vor der Wahl waren die Wählerlisten der Stimmbüros daher auf biometrische Geräte gespielt worden. Sie erfassen unter anderem zwei Fingerabdrücke und Fotos der Wähler, bevor diese ihre Stimme abgeben.

9,6 Millionen Wahlberechtigte

In Afghanistan sind mehr als 9,6 Millionen Menschen aufgerufen, einen Präsidenten zu wählen. Die Abstimmung findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die islamistisch-militanten Taliban hatten angekündigt, den Wahlgang anzugreifen. Fast ein Drittel der Wahllokale bleibt geschlossen, weil die Gebiete von den Taliban kontrolliert oder beeinflusst werden und Anschläge befürchtet werden. (APA, red, 28.9.2019)