Jemens Hauptstadt Sanaa befindet sich bereits seit einigen Jahren unter der Kontrolle der Huthi-Miliz.

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Sanaa/Riad – Die jementische Huthi-Miliz hat nach eigenen Angaben bei einem Vorstoß nahe der Grenze des Jemen zu Saudi-Arabien zahlreiche Kämpfer der saudi-gaführten Allianz festgesetzt. Anfangs war von "tausenden" die Rede, später sprachen Berichte nur noch von "hunderten" Soldaten. Außerdem will die von Iran unterstützte Gruppierung auch Ausrüstung in ihren Besitz genommen haben. Insgesamt geht es nach Angaben eines Huthi-Sprechers vom Samstag um Truppen und Ausrüstung aus drei "feindlichen Militärbrigaden". Auch mehrere Offiziere sollen unter den Festgehaltenen sein. Saudi-Arabien kommentierte die Meldungen vorerst nicht.

Ausgangspunkt der jüngsten Kämpfe war eine Offensive der Huthis, die rund drei Tage zuvor nahe der Stadt Nadschran ihren Anfang genommen hatte. Die Huthis hatten angekündigt, dafür auch Drohnen und moderne Raketen- und Luftabwehrsysteme einsetzen zu wollen.

Angriffe auf Ölanlagen

Der äußerst blutige Konflikt zwischen den Huthis und Saudi-Arabien tobt seit 2014. Die einst nur regional agierende Miliz hatte damals mit einer Offensive auf den von Saudi-Arabien und dem Westen unterstützten Präsidenten des Jamen, Abd Rabbo Mansur Hadi, begonnen. Dabei hatte sie weite Teile des Landes inklusive der Hauptstadt Sanaa eingenommen. Seit 2015 ist eine von Saudi-Arabien geführte und vom Westen unterstützte "Anti-Huthi-Allianz" in den Konflikt involviert. Ihr werden, ebenso wie den Huthis selbst, zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

In den letzten Wochen hatte sich die Konfrontation massiv zugespitzt. Am 14. September waren wichtige Ölanlagen Saudi-Arabiens mit Drohnen angegriffen und beschädigt worden. Die saudi-arabische Ölproduktion brach daraufhin vorübergehend ein. Während sich die Huthis zur Tat bekannten, machten Riad und die USA den Iran für den Angriff verantwortlich. Dieser weist die Urheberschaft aber zurück. Die unmittelbare Kriegsgefahr hatte sich erst in den vergangenen Tagen wieder etwas entspannt.

Allerdings hat Washington erst Mitte der vergangenen Woche angekündigt, Patriot-Raketen und 200 Soldaten nach Saudi-Arabien zu verlegen. Auch vier Radar-Systeme sollen die saudiarabische Abwehr stärken, wie das Ministerium am Donnerstag mitteilte. Die Stationierung US-amerikanischer Truppen in dem absolutistischen und von einer erzkonservativen Auslegung des Islam geprägten sunnitischen Königreich war als deutliches Warnsignal gewertet worden. (mesc, Reuters, 28.9.2019)