1 – Große Mäntel

Foto: Balenciaga

Es hat sich in den vergangenen Herbstsaisonen bereits angedeutet: Ein Mantel kann nicht oversized genug sein. Wer also noch auf schrankbreite Originale aus den 1980er-Jahren zurückgreifen kann: nur zu! Der mittlerweile 80-jährigen Dagmar Koller beispielsweise sei geraten, das schwarze Mantelmonster hervorzuholen, das sie 1986 anlässlich des Besuchs von Prinzessin Diana in Wien trug. Wer nicht solch kostbare Reserven im Kasten hängen hat, wird aktuell beim Modehaus Balenciaga (Bild) fündig. Fans von michelinartigen Steppmänteln dürfen aufatmen: Die aufgeblasenen Teile haben bei Herstellern wie Arket oder Moncler nach wie vor ihre Daseinsberechtigung.

2 – Haarspangen

Foto: Cult Gaia via Net-à-Porter, Wald Berlin, Monki, Lele Sadoughi via Mytheresa

Wir erinnern uns: Als sich Christiane Hörbiger vor einigen Wochen in einem ÖVP-Video mit ihrem Haarreif einen Heiligenschein verpasste, vermochte ihr Aufputz den Auftritt leider nicht zu retten. Modisch lag sie aber immerhin nicht so falsch. Seit Miuccia Prada ihren Models im vergangenen Frühjahr reihenweise Haarreifen aufsetzte, ist jede Menge los auf den Köpfen. Von Haarkämmen bis -spangen (von links nach rechts: von Wald Berlin, Monki, Lele Sadoughi, Cult Gaia), es darf geklipst werden. Fazit: Die Accessoires sind etwas gegen hängende Mundwinkel – ein klarer Fall für Madame Hörbiger.

3 – Bourgeoisie

Foto: Hermès

Es gibt wenige Designer, die die Modewelt noch provozieren. Hedi Slimane ist so ein Fall. Seit er beim Modehaus Celine im vergangenen Jahr die Alleinherrschaft übernommen hat, wird über seine Befähigung diskutiert: Kann dieser Mann die Bedürfnisse der Celine-Kundin erfüllen? Die war zuletzt auf seine Vorgängerin Phoebe Philo konditioniert. Slimane reagierte mit knielangen (!) Faltenröcken: Die Entwürfe (Bild unten) sahen aus wie eins zu eins aus dem Celine-Archiv kopiert. Oder dem Luis-Buñuel-Film Der diskrete Charme der Bourgeoisie entkommen. Fazit: wie das Hermès-Tuch (oben) nichts für die Generation Klimaschutz, eher etwas für "neo-bourgeoise rich kids".

Foto: AFP / Philippe Lopez

4 – Nachhaltige Mode

Foto: Grüne Erde

Kaum ein Thema wird in der Modewelt derzeit so stark strapaziert wie: Nachhaltigkeit. Alle wollen vom Sustainability-Kuchen mitnaschen! Selbst Kering-Boss François-Henri Pinault machte während des G7-Gipfels in Biarritz mit einem "Fashion Pact" von sich reden. Deshalb: Augen auf beim Klamottenkauf. Es empfiehlt sich, jenen Unternehmen die Treue zu halten, die konsequent agieren. Das oberösterreichische Unternehmen Grüne Erde zum Beispiel macht ganz ordentliche, klassische Sneaker (Bild). Nachhaltige österreichische Newcomer: Daryn Chook (Männermode) und Glein (Schuhe, Basics und Möbel).

5 – Hahnentritt

Foto: Sandro

Der Designer Tommy Hilfiger mag mittlerweile auf die 70 zugehen, das Alter aber hält ihn nicht davon ab, die ganz Jungen um den Finger zu wickeln. Sein aktuelles Schmiermittel: Zendaya, der 23-jährige Star der HBO-Serie Euphoria (Bild unten). Mit ihr stellte er für seine Linie TommyXZendaya eines der Highlights der New Yorker Modewoche, eine gigantische Show im Stadtteil Harlem, auf die Beine. In einer weiteren Hauptrolle: der Hahnentritt. Das einstige Oma-Muster zog sich (wie bei Chanel) über Mäntel und Hosenanzüge. Andere Labels interpretieren das Muster. Die Marke Sandro (Bild oben) liefert passende Cardigans.

Foto: TommyXZendaya

6 – Klimawandel

Foto: AFP / Kena Betancur

Erst wurde sie von Peter Lindbergh für die britische Vogue fotografiert, dann landete Greta Thunberg im schwarzen Sakko mit weißer Aufschrift ("Can you hear me?") und erhobenem Zeigefinger auf dem Oktober-Cover des Männer-Lifestyle-Magazins GQ, sie erhält den erstmals vergebenen "Game Changer Of The Year"-Award: Selbst die Modeindustrie kommt nicht um die 16-jährige Umweltaktivistin mit den langen Zöpfen herum. Ob die Stimmung, die die Generation Klimaschutz derzeit macht, direkten Einfluss auf die Textilbranche haben wird, wird jedenfalls nicht in diesem Herbst entschieden.

7 – Schwere Stiefel

Foto: Bottega Veneta

Erinnert sich noch jemand an Milla Jovovich als Leeloo im Luc-Besson-Film Das Fünfte Element? Orangerote Haare, ein Kostüm aus Thera-Bändern (von Jean-Paul Gaultier auf Jovovichs Leib geschneidert), dazu, ja genau: ganz schwere Stiefel. Leeloo sollte ja nicht weniger als die Erde gegen das Böse verteidigen. Die Stiefel, die Jovovich 1997 trug, darf man als Steilvorlage für den Herbst verstehen. Daniel Lee, der neue Designer bei Bottega Veneta, ließ jedenfalls in seiner ersten Kollektion kniehohe Stiefel (Bild) auflaufen. Alle mit schmalerem Geldbeutel greifen zu Dr. Martens-Tretern mit verstärkter Plateausohle.

8 – Puffärmel

Foto: Reuters / Regis Duvignau

Diese Ärmel passen nicht durch jede Tür: Alexander-McQueen-Designerin Sarah Burton verarbeitet trotzdem jede Menge Stoff, ihre Kleider sind ja sowieso nichts für Kleingeister. In diesem Herbst zeigte sie neben scharf geschnittenen Blazern dramatisch aufgeblasene Kleider (Bild) – damit war Burton nicht allein. Schon im Sommer kamen die Blusenärmel zahlreicher Label mal klein und fein gepufft (wie bei den unheimlichen Grady-Zwillingen in Shining in ihren himmelblauen Kleidchen) daher, ein andermal wurden sie oben herum so aufgepumpt wie jene Keulenärmel, die auf Renaissance-Porträts gut und gern das halbe Bild einnehmen.

9 – Achtziger

Foto: AFP / Christophe Archambault

Dieses Jahrzehnt bringt die Generationen zusammen: jene, die Dauerwellen und Vokuhila nur noch von alten Fotoabzügen kennen, und jene, die sich damals in Nena und ihre 99 Luftballons verliebten. So lassen sich nicht nur die Erfolge von Netflix-Serien wie Stranger Things erklären, sondern auch das Festhalten der Modedesigner an Oversize-Mänteln, gerafften Kleidern und breiten Schultern. Am entspanntesten bekommt das u. a. die Französin Isabel Marant hin (Bild). Sie hatte schon immer ein Faible für Cowboystiefel und Achtziger-Jahre-Silhouetten, die nicht nach Kostümparty aussehen.

10 – Falscher Pelz

Foto: Balenciaga und Stella McCartney via Mytheresa

Prada, Gucci, Giorgio Armani, Versace: In den vergangenen Monaten haben immer mehr Luxusunternehmen angekündigt, sich von Echtpelz und Fell zu verabschieden und sich der Fur Free Alliance (FFA) anzuschließen. Auch die Net-A-Porter-Gruppe ist mittlerweile pelzfrei. Gleichzeitig erleben Fake Fur sowie haarige Oberflächen ein Hoch – und das nicht nur bei Modehäusern wie Stella McCartney (Tasche, Schal Balenciaga), die schon lange vegan produziert, oder beim britischen Label Shrimps, das die Industrie für das Thema "faux fur" mit seinen poppigen Entwürfen sensibilisierte. (Anne Feldkamp, RONDO, exklusiv, 8.10.2019)