Strache war für das Schmuddelige und Grobe zuständig. Hier bei seiner Rede am "politischen Aschermittwoch" im Jahr 2011.

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Er grölte Parolen im Bierzelt und auf dem Viktor-Adler-Markt. Er tourte durch die Wiener Partyszene und rappte schlecht gereimte Songtexte. Er war sich in Wahlkampfzeiten für nichts zu schade, nicht einmal für Veranstaltungen der serbischen Migranten-Communitys. Heinz-Christian Strache war ein großer Glücksfall für die rechtspopulistische FPÖ. Mit ihm hatte die Partei eine authentische Identifikationsfigur für den "kleinen Mann", dessen Stimme sie unter anderem mit dem Geschimpfe gegen "die da oben" gewann.

Akademiker, Bürgerliche, Christlich-Konservative, Demagogen – der Rest des FPÖ-Personals eignete sich wesentlich schlechter als der ehemalige Zahntechniker Strache für die Rolle des Volksnahen. Strache war für das Schmuddelige und Grobe zuständig, wurde von den Parteifreunden dafür bewundert, aber wohl auch verachtet, wie jüngste Wortmeldungen nun ehemaliger Weggefährten erahnen lassen.

Tragikomisch ist der Umstand, dass ausgerechnet Straches Lebensstil seiner Karriere nun ein vorläufiges Ende bereitet hat. Die Ausschweifungen, das Partyleben, die Ibiza-Urlaube und zuletzt die teuer gekleidete Ehefrau gehörten genau zu jenem Image, das Strache von einem spröden Herbert Kickl oder dem aalglatten Norbert Hofer unterschied.

Für die Wien-Wahl im kommenden Jahr braucht die FPÖ eine glaubwürdige Figur, die die männlichen, urbanen Wähler mobilisiert und ihren Frust und ihre Träume in Wählerstimmen umwandelt. Und in der FPÖ ist derzeit weit und breit kein Ersatz für Strache zu sehen. (Olivera Stajić, 2.10.2019)