Mariam Mamdouh Farid ...

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...und die Russin Vera Rudakova.

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Farid erreicht das Ziel mit Verspätung.

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Doha – Mariam Mamdouh Farid war auf einer Mission. "Ich will die junge Generation inspirieren, Grenzen überwinden und die Art und Weise verändern, wie Frauen im Nahen Osten wahrgenommen werden", sagte die katarische Hürdenläuferin vor ihrem Start bei der Heim-WM in Doha. Ihr Auftritt zeigte dann aber vor allem eines: Frauensport ist im streng islamischen Scheichtum nur eine Randerscheinung, und anders ist es wohl auch nicht erwünscht.

19 Athleten schickt Katar bei diesen Titelkämpfen ins Rennen, 17 davon sind Männer, viele davon eingebürgert, einige davon absolute Weltklasse wie Abderrahman Samba, Dritter über 400 m Hürden, und Mutaz Essa Barshim, der zweitbeste Hochspringer der Geschichte. Sie, so der Plan, sollen Stärke demonstrieren, Katar wie in anderen, mit viel Geld gepimpten Disziplinen auf die Landkarte des Weltsports bringen – siehe das aus diversen Nationen rekrutierte Handball-Team, das 2015 im eigenen Land Vizeweltmeister wurde.

Auf den letzten Plätzen

Anders als beim Nachbarn Bahrain, der reihenweise afrikanische Topläuferinnen eingebürgert hat, beschränken sich diese Bemühungen bei Katars Leichtathleten aber auf die Männer. Die beiden Frauen im Doha-Aufgebot, Farid und Kenza Sosse, haben mit der Weltspitze nicht viel zu tun. Farid wurde Letzte im Vorlauf über 400 m Hürden, elf Sekunden hinter der Vorletzten, 15 hinter der Schnellsten. Auch Sosse war über 400 m Schlusslicht, 16 Sekunden hinter Platz eins.

Und dennoch war ihr Mitwirken – in langen Trikots und Hosen sowie mit Hidschab – bemerkenswert: Sie waren die ersten Frauen, die für Katar bei einer Leichtathletik-WM starteten. Farid hofft, dass sie damit katarische Mädchen motivieren kann, ihrem Beispiel zu folgen: "Sie sollen wissen, dass man keine Shorts tragen muss, dass sie rennen können, wie sie sind", sagte die 21-Jährige: "Viele Mädchen stellen mir Fragen über Soziale Medien, manche trainieren dann mit mir, aber nicht alle bleiben dabei."

Schattendasein

Farid hat eine gewisse Bekanntheit im Land, bei Katars WM-Bewerbung durfte sie als Botschafterin auftreten. Und doch verfestigt sich der Eindruck, dass sie und Sosse Staffage sind, einen Schein erwecken sollen. Wie die elektronischen Flaggen, die bei den Siegerehrungen hinter den Sportlern statt üblicher Stofffahnen auf großen Bildschirmen, na ja: "gehisst" werden. Der Start der beiden Sportlerinnen soll Fortschritt demonstrieren, auch eine Konzession an den Weltverband sein, der stets für Gleichberechtigung trommelt.

Dabei spielen wie allgemein in der patriacharlischen Gesellschaft Katars Frauen auch im Sport eine äußerst untergeordnete Rolle, auf Leistungsebene war er bis vor kurzem schlichtweg nicht vorgesehen. 2012 (!) nahmen erstmals Katarerinnen an Olympischen Spielen teil, ganze vier an der Zahl – dem feierlichen Anlass entsprechend wurde Sportschützin Bahiya al-Hamad sogleich zur Fahnenträgerin bei der Eröffnungsfeier befördert.

Das Schattendasein im eigenen Land verhindert jedoch nicht, dass sich Hürdenläuferin Farid höchste Ziele gesteckt hat: "Mein Traum ist es, nicht nur bei Weltmeisterschaften zu starten, sondern auch Medaillen zu gewinnen." Nun muss ihr Land nur noch Träume zulassen. (sid, 2.10.2019)