Die von den europäischen Regulatoren vor einem Jahr erzwungene Auftrennung der gemeinsamen Strompreiszone mit Deutschland hatte für Stromverbraucher in Österreich eine Verteuerung zur Folge.

Foto: reuters

Wien – Seit Öffnung der Strommärkte in Europa im Jahr 2002 bildeten Deutschland, Österreich und Luxemburg eine gemeinsame Preiszone; am 1. Oktober 2018 war Schluss damit. Jetzt, exakt ein Jahr später, hat die Österreichische Energieagentur Bilanz gezogen. Sie kommt auf Mehrkosten von 220 Millionen Euro, die Haushalte und Industriebetriebe in Österreich infolge der Auftrennung der Strompreiszone zu tragen haben.

Hintergrund ist der, dass in Österreich tätige Stromhändler wegen des künstlich geschaffenen Engpasses zwischen Deutschland und Österreich nicht mehr unbeschränkt Strom grenzüberschreitend handeln können. Damit kommen österreichische Abnehmer nicht mehr unbeschränkt zu überschüssigem und damit äußerst günstigem Strom aus deutschen Wind- oder Solarkraftwerken.

Auktionierung der Strommengen

Die von den europäischen Regulatoren angeordnete Auktionierung der Strommengen an Österreichs Grenze sollte die Situation im europäischen Leitungsnetz entspannen helfen, solange die im Bau befindlichen starken Übertragungsleitungen vom Norden und Osten Deutschlands in die Verbrauchszentren Bayers und Baden-Württembergs nicht stehen. Eine Klage von Verbund, Voest sowie der Wiener Energiebörse EXAA ist anhängig.

"Der Preisunterschied zwischen Österreich und Deutschland liegt im Schnitt der vergangenen zwölf Monate bei 3,40 Euro je Megawattstunde (MWh), ein Plus von acht Prozent", sagte Karina Knaus, Leiterin des Centers Volkswirtschaft, Konsumenten und Preise in der Energieagentur. Auffallend sei ein starkes Sommer-Winter-Gefälle. Die Preisdifferenz sank von 7,33 Euro im Schlussquartal 2018 auf 4,12 Euro im ersten Quartal 2019 bzw. knapp einen Euro je MWh im zweiten Quartal. Im dritten lag der Preisunterschied bei 1,16 Euro.

Größten Preisabstand gab es im Oktober

Ob es im Oktober wie schon vor einem Jahr wieder einen Sprung nach oben gibt, bleibe abzuwarten, sagte Knaus. Mit 8,6 Euro je MWh gab es im Oktober 2018, dem ersten Monat nach Auftrennung der Strompreiszone, den höchsten Preisabstand bei den Strom-Großhandelspreisen zwischen Österreich und Deutschland.

Die Verteuerung ist inzwischen auch bei den Konsumenten angekommen. Je nach Lieferant hat sich die Haushaltsrechnung innert zwölf Monaten um 17 bis 126 Euro erhöht – wobei der größere Teil auf anderes als die getrennte Strompreiszone zurückzuführen sein dürfte. Strom ist auch teurer geworden, weil der Preis der CO2-Zertifikate von fünf auf 30 Euro je Tonne gestiegen ist. (stro, 3.10.2019)