Im Irak gehen die Menschen auf die Straße.

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Bagdad – Bei Protesten gegen Korruption und hohe Arbeitslosigkeit sind im Irak binnen 24 Stunden mindestens neun Menschen getötet und hunderte verletzt worden. In Nassiriya 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad wurden am Mittwoch fünf Demonstranten und ein Polizist erschossen.

Am Abend wurden Antiterroreinheiten gegen die Demonstranten eingesetzt, nachdem die Polizei die Kontrolle verloren hatte. Es fielen Schüsse zwischen den Sicherheitskräften und den Protestierenden. Eine Ausgangssperre wurde in Nassiriya und zwei anderen südlichen Städten, Amara und Hilla, verhängt. Die Antiterroreinheit wurde außerdem am Flughafen Bagdads eingesetzt, um die Menschen davon abzuhalten, das Gelände zu stürmen.

Grüne Zone abgeriegelt

Am Dienstag war in Nassiriya ein Demonstrant getötet worden, in Bagdad waren zwei weitere gestorben. In der Hauptstadt wurde die sogenannte Grüne Zone abgeriegelt.

In Bagdad feuerten bei den Protesten gegen Korruption, Missmanagement und Arbeitslosigkeit am Mittwoch Polizisten in die Luft und setzten Tränengas ein, wie ein AFP-Journalist berichtete. Weitere Demonstrationen fanden im zentralirakischen Najaf und in Basra im Süden des Landes statt.

Abgeriegelter Platz

Nach den schweren Unruhen vom Vortag war der Tahrir-Platz in Bagdads Zentrum am Mittwoch von den Sicherheitskräften abgeriegelt, doch versammelten sich erneut Demonstranten am Rand. Kleinere Proteste gab es auch im nördlichen Stadtteil al-Shaab und im südlichen Stadtteil Saafaraniya.

Präsident Barham Saleh verurteilte die Gewalt und rief zu "Zurückhaltung und zur Einhaltung des Gesetzes" auf. "Friedlicher Protest ist ein Verfassungsrecht, das den Bürgern gewährt wird", betonte Saleh. Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi, seit einem Jahr im Amt, lobte dagegen die Sicherheitskräfte und machte für die Gewalt nicht näher bezeichnete "Angreifer" verantwortlich, die "gezielt Opfer verursacht" hätten. In Online-Netzwerken stießen diese Äußerungen auf Kritik.

"Friedliche Sit-ins" geplant

Der nationalistische Prediger Moktada al-Sadr forderte eine "faire Untersuchung" der Gewalt auf dem Tahrir-Platz. Für Donnerstag rief er zu "friedlichen Sit-ins" und einem Generalstreik auf. 2016 hatten Demonstranten auf seinen Aufruf hin die sogenannte Grüne Zone gestürmt, in der Gebäude der irakischen Regierung und viele ausländische Botschaften liegen. Am Mittwochabend wurde die besonders gesicherte Zone nach Angaben aus Regierungskreisen vorsorglich abgeriegelt.

Die irakische Regierung ist seit Jahren immer wieder mit Protesten gegen die verbreitete Korruption und die chronischen Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung konfrontiert. Teilweise gibt es nur vier Stunden Strom am Tag, und die Jugendarbeitslosigkeit liegt laut der Weltbank bei 25 Prozent. Zu den Protesten hatte dieses Mal ungewöhnlicherweise keine Partei aufgerufen. Eine Zeitung sprach von den ersten Protesten "ohne Flagge, ohne Plakate und ohne Parteislogan". (APA, red, 2.10.2019)