Die Spieler des Wolfsberger AC holen sich den verdienten Applaus ab.

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Graz – 4:0 bei Borussia Mönchengladbach, am Donnerstag 1:1 in Graz gegen AS Roma: Der WAC überrascht bei seiner Premiere in einer Europacup-Gruppenphase Fußball-Europa weiterhin. Auch die Kärntner selbst hätten mit diesem Start nicht gerechnet. "Wir hatten diese wunderbare Richtung, die, die Mannschaft nimmt, so nicht am Schirm", gab WAC-Trainer Gerhard Struber zu. Der Aufstieg seines Teams rückte näher.

Das Thema ist im Lavanttal aber tabu. "Wir dürfen wenig an den Aufstieg denken, es gilt die Spiele vor uns mit hoher Konzentration abzuarbeiten. Wir müssen unsere Ziele nicht nachschärfen", betonte Struber. Platz eins in der Gruppe J gemeinsam mit den Römern, ein Plus von drei Punkten auf Stefan Lainers Gladbacher sowie Istanbul Basaksehir und auch ein deutlich besseres Torverhältnis (5:1 zu 1:5) sind der Status quo. "Das ist eine super Sache, eine schöne Momentaufnahme", sagte Kapitän Michael Sollbauer. "Vor der Saison haben alle gesagt, der WAC spielt in der Europa League, da gibt es keine Punkte. Ich glaube wir machen ganz gute Werbung für Österreich und in erster Linie für uns."

Die Kärntner fanden gegen den italienischen Topclub im Ausweichquartier in Graz-Liebenau einige Chancen vor, für einen Treffer bedurfte es allerdings eines Genieblitzes von Routinier Michael Liendl (51.). Der 33-Jährige hämmerte den Ball mit links aus mehr als 20 Metern zum viel umjubelten Ausgleich ins Kreuzeck. "Viele in Österreich und Deutschland haben gewusst, dass er ein Riesenfußballer mit einem riesigen Siegeswillen ist. Jetzt wissen auch alle in Europa, dass er ein besonderes Gefühl im Fuß hat", sagte Struber nach dem Zaubertor seines Offensiv-Regisseurs.

Der 33-Jährige läuft im Spätherbst seiner Karriere noch einmal so richtig zur Hochform auf. "Am Ende ist es nicht so wichtig, ob Traumtor oder nicht. Wir haben uns einfach belohnt für eine unglaubliche Arbeit über 90 Minuten. Da sieht man einfach was in der geilen Truppe momentan drinnensteckt", verlautete Liendl. Der Treffer war einer der wichtigsten seiner Karriere, in der er nach Stationen in Österreich und Deutschland vor seinem WAC-Engagement auch in den Niederlanden bei Twente tätig war. "Wenn du gegen einen so klingenden Namen so ein Tor schießt und dann auch nicht verlierst, ist das schon sehr hoch einzuordnen", erläuterte der Mittelfeldspieler.

Im Spiel waren Parallelen zum Auftritt von Salzburg in der Champions League gegen Titelverteidiger Liverpool an der Anfield Road erkennbar. Auch der WAC benötigte etwas Zeit um in die Partie zu finden und musste nach einem laut Sollbauer "skurrilen" Gegentor in der 27. Minute durch Leonardo Spinazzola einem Rückstand nachlaufen. "Wir haben uns zur Pause gesagt, dass noch alles möglich ist. Salzburg hat es uns vorgezeigt, so sind wir dann auch aus der Kabine gestartet", gab Sollbauer Einblick.

Es folgte die schnelle Belohnung mit dem Ausgleich und ein laut dem Abwehrchef "Riesenspiel" in der zweiten Hälfte. Am Ende reichten 31 Prozent Ballbesitz, um einen Punkt mitzunehmen. In Gladbach hatte dies gar für einen Kantersieg gereicht. Ein Muster ist erkennbar. "Wir liegen richtig mit unserem Matchplan. Unser Erfolgsrezept ist, dass alle gemeinsam mitmachen", betonte Struber. Die Jungs seien topfit und leidensfähig. "Die Mannschaft lässt sich auch nicht von Rückständen und Fehlentscheidungen ablenken und kommt in ihren Spiel-Style zurück", sagte der 42-jährige Salzburger.

Als nächste internationale Prüfung wartet am 24. Oktober (18.55 Uhr) das Gastspiel in Istanbul. "Wir wollten eine Duftmarke in der Europa League setzen, das ist uns bisher überragend gelungen. Keiner hat mit vier Punkten aus zwei Spielen gerechnet. An der Ausgangssituation ändert sich dadurch aber nicht viel, wir sind auch in den restlichen Spielen Außenseiter", schilderte Liendl seine Sicht.

Selbstvertrauen weiter gewachsen

Das Selbstvertrauen des Bundesliga-Dritten ist jedenfalls nach dem neunten Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage weiter gewachsen. "Wir sind nicht überschwänglich, auch weil ich selbst Profi war und weiß, dass sich im Fußball alles sehr schnell drehen kann. Aber die Leistung stimmt uns sehr positiv für die nächsten Aufgaben in der Europa League", ist Struber guter Dinge.

In Istanbul wird sein Team neuerlich aufs Ganze gehen. "Wir sind nicht mehr die Graue Maus, wie vor ein paar Jahren, wo man als österreichischer Club überall hingefahren ist und einmal geschaut hat, was passiert und mit einem Punkt leben konnte. Wir wollen gewinnen. Das ist auch eine Qualität", sagte Liendl. Lob gab es zum Teil auch von der italienischen Presse. "Wolfsberg beweist, ein zäher Rivale für jeden Club in der Europa League zu sein", schrieb "Tuttosport". Im Falle eines Sieges in der Türkei und eines Erfolgs der Roma in Gladbach wäre das Sechzehntelfinale für den WAC schon sehr nahe. (APA; 4.10.2019)

Italienische Pressestimmen:

"Gazzetta dello Sport": "Grazer Wölfe gegen römische Wölfe: Das 1:1 ermöglicht AS Roma zwar die Spitzenposition der Gruppe zu bewahren, das Resultat hinterlässt jedoch Bitterkeit bei den Römern wegen des technischen Unterschieds zwischen den beiden Rivalen. Am Schluss feiern die Hausherren, während die Römer verärgert das Spielfeld verlassen. Wolfsbergs Aggressivität setzt die römische Abwehr und die Mittelfeldspieler unter Druck. AS Roma hätte zwar das Match problemlos gewinnen können, hat die Chance jedoch nicht genutzt".

"Corriere dello Sport": "Die engagierten und unermüdlichen Wolfsberger können feiern. Die Mannschaft aus Ersatzspielern, die Roms Trainer Paulo Fonseca in Graz eingesetzt hat, hätte genügt, um die Wolfberger zu besiegen, doch das Pressing und das Spieltempo der Gegner setzt AS Roma unter Druck. AS Roma verlässt Graz mit Enttäuschung".

"Tuttosport": "WAC stoppt die nicht überwältigenden Römer in Graz. Wolfsberg beweist, ein zäher Rivale für jeden Club in der Europa League zu sein. Die 'Giallorossi' sind zwar organisierter und vom technischen Standpunkt stärker, begehen jedoch viele Fehler, vor allem beim Aufbau der Torgelegenheiten."

"La Repubblica": "AS Roma leidet unter den vielen Wechseln im Duell mit einem nicht überwältigenden Wolfsberg. Enttäuschendes Remis in Graz: AS Roma hat mit Oberflächlichkeit das Spiel in Angriff genommen und dabei mehr an die Meisterschaft als an die Europa League gedacht. Eine verschwendete Gelegenheit, die Trainer Fonseca rasch vergessen will".

"Corriere della Sera": "AS Roma zahlt einen hohen Preis für die übertriebene hohe Zahl von Spielerwechseln. Das mittelmäßige Wolfsberg stoppt die Römer: Eine verschwendete Gelegenheit für AS Roma, da der Gegner große technische Grenzen gezeigt hat."