Die vom japanischen Investor Softbank mit großem Tamtam angekündigten Pläne für den weltgrößten Technologiefonds fallen Insidern zufolge in sich zusammen.

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Die vom japanischen Investor Softbank mit großem Tamtam angekündigten Pläne für den weltgrößten Technologiefonds fallen Insidern zufolge in sich zusammen. Nach dem Desaster um den Bürovermieter WeWork und anderen Fehlschlägen des Vorgängerfonds werde der sogenannte "Vision Fund 2" von Softbank deutlich weniger Geld als die einst angekündigten 108 Mrd. Dollar (98,6 Mrd. Euro) einsammeln.

Das sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar sei Softbank-Gründer Masayoshi Son fest entschlossen, die Pläne für seinen zweiten Technologiefonds voranzutreiben. Berater drängten ihn jedoch, das Projekt zu verschieben. "Vision Fund" und der Softbank-Konzern lehnten eine Stellungnahme ab.

Fragezeichen

Noch vor wenigen Monaten galt der Vorgängerfonds "Vision Fund 1" als ein Erfolg, die Aussichten für den "Vision Fund 2" schienen gut. Softbank erklärte im Juli, es habe Investitionszusagen über 108 Mrd. Dollar, die von Firmen wie Microsoft oder Apple stammten. Doch feste Verpflichtungen gibt es Insidern zufolge bisher nicht. Die 38 Mrd. Dollar, die Softbank selbst beisteuern will, seien bisher die einzige große Zusage, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Doch auch hinter dieser Summe stehen Fragezeichen. Softbank hatte Ende Juni zwar 27,4 Mrd. Dollar an liquiden Mitteln, muss allerdings in nächster Zeit hohe Verbindlichkeiten bedienen. Die Aktie notiert auf dem niedrigsten Stand seit Jänner und die Einnahmen waren im vergangenen Quartal niedriger als die Ausgaben. Softbank könnte sich daher schwer tun, Milliarden an frischen Mitteln aufzunehmen.

Imageschaden

Der gescheiterte Börsengang von WeWork kratzt am Nimbus von Softbank-Chef Son, der etwa mit seinem frühen Investment in den chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba ein glückliches Händchen bewiesen hatte. Im Jahr 2000 steckte Son 20 Mio. Dollar in das kurz zuvor gegründete Unternehmen. Inzwischen ist der Anteil mehr als 100 Mrd. Dollar wert.

Angetrieben von solchen Erfolgen legte der 62-Jährige vor gut zwei Jahren den ersten "Vision Fund" auf, der 97 Mrd. Dollar einsammelte und Son zu sehr viel Einfluss im Start-up-Markt verhalf. Er wettete groß auf schnell-wachsende, junge Technologiefirmen, und päppelte sie mit hohen Investitionen auf, um bei einem Börsengang oder Ausstieg Kasse zu machen. Dabei konnte der an rund 80 Unternehmen beteiligte Fonds durchaus Erfolge verbuchen. Softbank, das rund ein Drittel an dem "Vision Fund" besitzt, hatte im Juli berichtet, mit seiner Investition in den Fonds inklusive Managementgebühren eine Rendite von 62 Prozent erzielt zu haben. Doch nun gerät das Geschäftsmodell ins Wanken – nicht zuletzt durch das Scheitern des WeWork-Börsengangs.

Notbremse

SoftBank und der Vision Fund hatten mehr als 10 Mrd. Dollar in den US-Bürovermieter geschossen und die Bewertung auf 47 Mrd. Dollar in die Höhe getrieben. Doch die hochfliegenden Börsenpläne von WeWork waren krachend gescheitert. Mögliche Investoren störten sich unter anderem an den hohen Verlusten und der Rolle des Gründers und ehemaligen Firmenchefs Adam Neumann, der nach massiver Kritik seinen Hut nehmen musste. Bei einem Börsengang wäre die Bewertung wohl auf zehn bis zwölf Milliarden Dollar abgestürzt.

Der Bürovermieter zog die Notbremse und sagte die Aktienemission ab. Nun muss WeWork einen anderen Weg finden, um dringend benötigtes Geld aufzutreiben. Der Ratingagentur Fitch zufolge reichen die Mittel noch für vier bis acht Quartale. Softbank verhandelt Insidern zufolge über eine weitere Finanzspritze für seine verlustträchtige Beteiligung. Der fehlgeschlagene Börsengang dürfte dem "Vision Fund" eine große Abschreibung einbrocken und die Rendite drücken.

Ernüchterung

Auch andere Firmen aus dem Portfolio des Investors sorgten zuletzt für Ernüchterung. Der Mitfahrdienst Uber oder der Mesenger-Dienst Slack schafften es zwar an die Börse, doch die Aktien notieren unter dem Ausgabepreis. Viele Anleger haben sich die Finger verbrannt und schrecken auch aus Furcht vor einer weltweiten Rezession vor neuen Investitionen zurück.

Keine guten Voraussetzungen, um Geld für den "Vision Fund 2" einzuwerben. Im Juli hatte Softbank erklärt, dass sich Konzerne wie Apple, Microsoft, eine Reihe japanischer Banken und das britische Geldhaus Standard Chartered an dem neuen Technologiefonds beteiligen würden. Es ist unklar, wie fest diese Zusagen sind und keines der Unternehmen ist für Milliardenzusagen an externe Risikofonds bekannt. Microsoft, Apple und Standard Chartered lehnten eine Stellungnahme ab.

Geldfrage

Die japanischen Institute steuerten nur geringe Summen bei, sagten Insider. Mindestens einer wolle einen Kredit zusagen anstatt Geld zu investieren. Schon beim ersten "Vision Fund" erhalten einige Anleger jährlich sieben Prozent Zinsen auf ihre Beteiligung – ein ungewöhnliche Vorgehensweise. Daher braucht der Fonds ständig flüssige Mittel. Ein Teil spülte der Verkauf von Beteiligungen in die Kasse. Allerdings musste Softbank auch Geld leihen, um die Ausschüttungen an Investoren zu finanzieren.

Der saudi-arabische Staatsfonds PIF, der mit 45 Mrd. Dollar fast die Hälfte der Gesamtsumme zum ersten Vision Fund beisteuerte, hat kaum liquide Mittel für neue Investitionen – zumindest solange bis Anteilsverkäufe oder der geplante Börsengang des Ölriesen Saudi Aramco frisches Geld in die Kasse spülen, wie mit den PIF-Finanzen vertraute Personen sagten. Ob und wann der bereits mehrmals verschobene Aramco-Börsengang stattfindet, steht in den Sternen. PIF lehnte eine Stellungnahme ab. (APA/Reuters, 4.10.2019)