Wochenlang setzte AMS alles daran, um die Übernahme von Osram durchzubringen. Nun sind die Steirer vorerst gescheitert.

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München – Nach einer mehrwöchigen Bieterschlacht um den deutschen Beleuchtungshersteller Osram ist am Freitagabend eine Entscheidung gefallen. Der steirische Chiphersteller AMS ist vorerst gescheitert. Das Unternehmen aus Premstätten bei Graz konnte nicht genügend Osram-Aktionäre von seinem 4,5 Milliarden Euro schweren Angebot überzeugen.

AMS hatte gefordert, dass ihnen mindestens 62,5 Prozent der Osram-Anteile angedient werden. Tatsächlich nahmen nur 51,6 Prozent die Offerte an, die am Dienstag ausgelaufen war, oder verkauften ihre Aktien direkt an AMS. Das wochenlange Hin und Her um Osram hat viele Privatanleger verunsichert, die knapp ein Viertel der Osram-Aktien halten.

AMS ist allerdings mit 19,99 Prozent inzwischen größter Aktionär von Osram und gibt den Plan einer Übernahme noch nicht auf. "Mit der Unterstützung der AMS-Aktionäre prüft AMS strategische Optionen, um die Akquisition von Osram, die ein stärkeres kombiniertes Unternehmen schafft, auf Basis seiner Aktionärsposition weiterzuverfolgen", hieß es in der Mitteilung.

Osram ist einer der führenden Leuchtmittelhersteller weltweit, musste seine Umsatzerwartungen in diesem Jahr stark nach unten korrigieren. Somit bleibt das Unternehmen vorerst selbstständig und schreibt weiterhin Verluste.

Gespräche in der Chefetage

AMS-Chef Alexander Everke will nun mit seinem Osram-Kollegen Olaf Berlien sprechen, um die Übernahme auf anderen Wegen doch zu verwirklichen: "Im Dialog mit Osram wollen wir auf unserer Stellung als größter Aktionär von Osram aufbauen, um weiter den vollen Erwerb von Osram zu verfolgen." An der Sinnhaftigkeit der Übernahme habe sich nichts geändert.

Bain Capital hatte mit dem Rivalen Advent als neuem Partner ein neues Angebot für Osram in Aussicht gestellt, wurde dabei aber von einer erhöhten Offerte von AMS zunächst ausgebremst. Die Finanzinvestoren schauten zurzeit noch in die Bücher von Osram, betonte Berlien. Doch gegen AMS als Großaktionär ist ein Vorstoß der Beteiligungsfirmen praktisch aussichtslos: Eine Mehrheit von 75 Prozent, wie sie sie in der Regel anstreben, um ein Unternehmen kontrollieren zu können, ist angesichts eines 20-Prozent-Anteils von AMS kaum zu erreichen.

Warnungen von Gewerkschaft

Die deutsche Gewerkschaft IG Metall appellierte immer wieder an die Aktionäre, ihre Papiere zu behalten. AMS würde sich mit der Übernahme des dreimal so großen Konkurrenten zu stark verschulden. "Diese Verschuldung würde das gesamte Unternehmen von Beginn an in seiner Existenz gefährden und mit ihm die insgesamt 35.000 Arbeitsplätze von Osram und AMS", hieß es. Die Gewerkschaft hatte früh klargemacht, dass sie die Finanzinvestoren als neue Eigentümer von Osram bevorzugen würde, weil sie in die Zusagen von AMS kein Vertrauen hat.

Wer ist AMS eigentlich?

Wer steckt nun eigentlich hinter den Buchstaben AMS? Nicht das Arbeitsmarktservice, mit dem die Chipfirma nur die Anfangsbuchstaben gemeinsam hat. AMS gehört zu den sogenannten Hidden Champions, die es ohne viel Aufsehen geschafft haben, in einer Nische eine führende Stellung auf dem Weltmarkt zu erlangen. Bei AMS sind es spezielle Sensoren, die in Smartphones oder TV-Geräten, Autos (Beispiel autonomes Fahren), in der Industrie (Industrie 4.0) oder in der Medizintechnik zum Einsatz kommen.

Begonnen hat alles vor mittlerweile fast 40 Jahren. Ende der 1970er-Jahre suchte die damalige Vöest-Alpine nach geeigneten Branchen, um die eigene Produkt- und Dienstleistungspalette zu erweitern. Man entschied sich letztlich für die Halbleiterindustrie. Bei der Suche nach einem geeigneten Partner stieß man auf die American Micro Systems (AMI), die beim Start des Joint Ventures American Micro Systems Incorporated-Austria GmbH 1981 mit 51 Prozent die Mehrheit hielt. (APA, red, 4.1.2019)