Sucht Chefin: Die Österreich-Ausgabe der "Zeit".

Foto: fid/Faksimile Die Zeit

Wer wird künftig Redaktionschefin der "Zeit"-Ausgabe für Österreich nach Joachim Riedl (66), der den Ableger für das kleine Nachbarland vor 14 Jahren initiiert und seither geleitet hat. "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser kündigte vorige Woche im STANDARD-Interview "eine klasse Nachfolge" für Riedl an. Und er verspricht da nicht zuviel, wenn sich die STANDARD-Infos über die Personalie bewahrheiten.

"Gerne Themen setzt und sich einmischt"

Esser umriss das Anforderungsprofil für die Nachbesetzung im STANDARD so: "Es muss eine Persönlichkeit sein. Jemand mit Ecken und Kanten, intellektuell auf einer großen Flughöhe, liberal ausgerichtet. Und jemand, der gerne auch Themen setzt und sich einmischt."

Nach STANDARD-Infos soll eine Frau die "Zeit" Österreich künftig leiten. Esser wollte das nicht bestätigen, aber: "Das wäre auch in Österreich eine sehr gute Option."

"Gute Gespräche"

Der "Zeit"-Geschäftsführer berichtete von "sehr guten" Gesprächen, die Chefredakteur Giovanni di Lorenzo für die Österreich-Nachfolge führt. In einem Monat sollte die Personalie unter Dach und Fach sein, erwartet er. Namen nennt er naturgemäß nicht.

Das Anforderungsprofil passt auf eine Reihe von Journalistinnen – etwa die frühere Wien-Korrespondentin der "Süddeutschen Zeitung", Cathrin Kahlweit, inzwischen für die "SZ" in London stationiert, die ehemalige STANDARD-Chefredakteurin und -Herausgeberin Alexandra Föderl-Schmid, derzeit "SZ"-Korrespondentin in Israel, Barbara Toth ("Falter") oder Elisalex Henckel, nach "NZZ.at" bei der "Welt". Die eine oder andere von ihnen soll tatsächlich in Sachen "Zeit" Österreich kontaktiert worden sein.

Repräsentation nach außen

Einen offenbar sehr wesentlichen Punkt im Anforderungsprofil erwähnte Esser nur zwischen den Zeilen: Die künftige Redaktionschefin soll die "Zeit" in Österreich stärker nach außen repräsentieren und noch bekannter machen.

Dieser Punkt passt besonders gut zu einer möglichen Kandidatin für den Job: Corinna Milborn (46), Infochefin von ProSiebenSat1Puls4 und Moderatorin etwa von "Pro und Contra" und vielen Wahldebatten auf Puls 4 und Puls 24.

Die Journalistin und Politikwissenschafterin hat eine Reihe von Büchern und Drehbüchern geschrieben und mitverantwortet, etwa Waris Diries "Schmerzenskinder" und Natascha Kampuschs "3096 Tage" und Erich Wagenhofers Doku "Let's Make Money" und zuletzt mit ProSiebenSat1Puls4-Chef Markus Breitenecker "Change The Game" ("Wie wir uns das Netz von Facebook und Google zurückerobern").

Milborn leitete die Menschenrechtszeitschrift "Liga", war Politikredakteurin beim damaligen Nachrichtenmagazin "Format" und 2010 bis 2012 stellvertretende Chefredakteurin von "News" (mit Peter Pelinka). Sie war eine der Moderatorinnen bei der Neuauflage des "Club 2" im ORF und moderiert seit 2012 das wöchentliche "Pro und Contra" bei Puls 4. Milborn ist mit gut 124.000 Followern einer der Stars der österreichischen Twitteria.

  • Update 9. Oktober 2019: Corinna Milborn erklärt dazu auf STANDARD-Anfrage: "Das ist sehr ehrenvoll, aber wir haben gerade mit dem Nachrichtensender Puls 24 einen langjährigen Traum erfüllt, und ich mache das sehr gerne."
Derzeit wirbt Milborn wie eine Reihe anderer prominenter Persönlichkeiten für die Klimaschutz-Initiative des Fernsehmagazins "Tele"
Foto: Tele/Monika Saulich/Saintstephens

(fid, 7.10.2019)