Auch den dicken Zellwänden von grampositiven Bakterien wie Staphylococcus aureus kommen die ionischen Flüssigkeiten bei.

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Wien – Viele Bakterien haben äußerst robuste Zellwände. Was den Einzellern eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber harschen Umweltbedingungen beschert, stellt Forscher freilich vor ein Problem: Um an die bakterielle DNA etwa für genetische Analysen heranzukommen, waren bisher aufwändige Verfahren notwendig. Nun jedoch haben österreichische Wissenschafter zwei Substanzen entdeckt, die Bakterien-Zellwände binnen weniger Minuten knacken können.

Üblicherweise werden derzeit Enzyme eingesetzt, um die Zellwand von Bakterien aufzubrechen. Notwendig ist dies etwa um herauszufinden, ob ein Bakterienstamm Gene hat, die ihn resistent gegen bestimmte Antibiotika machen. Bei dieser Methode tritt der Inhalt der Zelle aus und wird völlig aufgelöst, das Endprodukt kann dann aufgereinigt werden, um die DNA herauszuholen. Der Prozess kann allerdings Stunden dauern.

"Bei unserer Forschung setzten wir nicht auf Enzyme, sondern auf ionische Flüssigkeiten", erklärte Georg Reischer vom Interuniversitären Kooperationszentrum für Wasser und Gesundheit (ICC Water&Health) an der TU Wien. Dabei handelt es sich um organische Salze, die bei Raumtemperatur flüssig sind und die DNA-Moleküle nicht zerstören, wie die Forscher im Fachjournal "Nature Scientific Report" berichten.

Patentierte Flüssigkeiten

Gemeinsam mit Kollegen vom Interuniversitären Department für Agrarbiotechnologie (IFA) in Tulln haben die Wissenschafter in zahlreichen Versuchen zwei solche ionischen Flüssigkeiten gefunden (Cholin Hexanoat und 1-Ethyl-3-methylimidazolium Acetat), die bei 60 Grad Celsius binnen fünf Minuten selbst die besonders widerstandsfähigen Zellwände von grampositiven Bakterien aufschließen können.

Reischer bezeichnet dies als "wichtigen Fortschritt für viele Forschungsbereiche, für Umweltforschung, für Lebensmittelsicherheit oder auch für die klinische Diagnostik". Die Forscher haben die beiden Flüssigkeiten bereits patentiert. (red, APA, 9.10.2019)