Kirill Serebrennikow im April dieses Jahres in Moskau am Weg ins Gericht.

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Moskau – Der seit mehr als zwei Jahren andauernde Fall um den angeklagten russischen Regisseur Kirill Serebrennikow soll weiter verhandelt werden. Das entschied das Moskauer Stadtgericht am Dienstag in der russischen Hauptstadt. Ein anderer Richter werde jedoch den Fall übernehmen, hieß es.

Im September hatte eine Richterin eines Stadtbezirksgerichts den Fall wegen zahlreicher Widersprüche und fehlender Details in der Anklage an die Generalstaatsanwaltschaft zurückgegeben. Diese hatte daraufhin Berufung eingelegt und nun Recht bekommen.

Der 50 Jahre alte Theatermacher Serebrennikow, der auch in Stuttgart, Hamburg und Berlin inszeniert hat, wurde im Sommer 2017 wegen angeblicher Veruntreuung festgenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage behauptet, dass Serebrennikow und seine Kollegen Fördergelder in Millionenhöhe eingestrichen haben, ohne dafür Aufführungen anzubieten. Der Regisseur hatte die Anschuldigungen immer vehement zurückgewiesen, blieb aber während der Ermittlung rund anderthalb Jahre im Hausarrest.

Staatsanwaltschaft rechnete nach

Die Staatsanwaltschaft habe alle Zahlen überprüft, sagte der Staatsanwalt der Agentur Tass zufolge. Man sei sich sicher, dass es zu keinen falschen Berechnungen seitens der Anklage gekommen sei. Serebrennikow dürfe aber weiter frei in Moskau arbeiten und habe keine Einschränkungen, entschied das Stadtgericht.

Bereits im Sommer hatte ein Gutachten Serebrennikow entlastet. Im Frühjahr wurde der international gefeierte Theatermacher nach etwa anderthalbjährigem Hausarrest überraschend auf freien Fuß gesetzt. Er musste sich jedoch regelmäßig bei der Polizei melden und durfte die russische Hauptstadt ohne Erlaubnis nicht verlassen. (APA, 8.10.2019)