Linux-Gründer Linus Torvalds.

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Microsofts Verhältnis zu Linux war nicht immer von Spannungen frei. So bezeichnete etwa der langjährige Firmenchef Steve Ballmer das freie Betriebssystem schon gerne mal als "Krebsgeschwür" und setzte alles daran, dieses zu bekämpfen. Auf der anderen Seite war die Einschätzung kaum freundlich, Microsoft war für viele so etwas wie der Erzfeind freier Software. Manchmal schimmert diese Anti-Microsoft-Rhetorik noch immer durch. Zu Unrecht, wie nun einer festhält, der schon länger mit dabei ist.

Es ist vorbei

In einem Interview mit "ZDNet" betont Linux-Erfinder Linus Torvald, dass er sich selbst schon lange von Anti-Microsoft-Bemerkungen verabschiedet hat. Eine Zeitlang sei all das ja zumindest irgendwie witzig gewesen, wobei bei nachträglicher Betrachtung auch nicht wirklich. In den vergangenen Jahren habe er aber immer wieder mit Microsoft-Mitarbeitern auf Konferenzen gesprochen, und dabei werde schnell klar, dass sich das Unternehmen grundlegend geändert habe.

Klar gebe es Punkte, bei denen man nicht übereinstimme, aber das gelte für jede Firma, die sich an der Linux-Entwicklung beteilige. Die Interessen von Microsoft seien eigentlich recht einfach, wie Torvalds betont: Das Unternehmen wolle, dass das freie Betriebssystem möglichst gut mit seiner Cloud-Plattform Azure harmoniere. Und das ist durchaus verständlich, laufen doch mittlerweile mehr als 50 Prozent aller Instanzen auf Azure unter Linux.

FAT

Ein aktuelles Beispiel für den Wandel bei dem Unternehmen liefert das Dateisystem FAT. Während Microsoft vor einigen Jahren noch versucht hat, über Patentklagen von Android-Herstellern Lizenzzahlungen für die Nutzung von FAT zu bekommen, hat das Unternehmen vor kurzem selbst den passenden Code zur Aufnahme in den Linux Kernel vorgeschlagen – samt der Freigabe sämtlicher damit verbundener Patente.

Und selbst wenn Microsoft eine versteckte Agenda hätte, der offene Linux-Entwicklungsprozess habe sich bisher als äußerst effektives Mittel gegen solche Einflussnahmen erwiesen, sekundiert der bei IBM beschäftigte Kernel-Entwickler James Bottomley. Dieser sorge dafür, dass man aktiv mit anderen zusammenarbeiten muss, und die haben natürlich wieder ganz andere Interessen. (apo, 14.10.2019)