Ryanair-Chef Michael O'Leary in Wien.

Foto: REUTERS/Leonhard Foeger

Wien/Schwechat/Dublin – Nach der Betriebsratswahl bei der Ryanair-Tochter Laudamotion am Mittwoch wird sich die neue Belegschaftsvertretung schon in den kommenden Tagen konstituieren, erklärte die Gewerkschaft Vida am Mittwochabend. Die Wahlbeteiligung sei mit rund einem Drittel der gut 400 Wahlberechtigten über den Erwartungen gelegen.

Alle abgegebenen Stimmen entfielen auf die einzige kandidierende Liste Laudamotion Crew Workcouncil, die aus 16 Mitarbeitern besteht. Mit der Durchführung der Betriebsratswahl habe sich das Recht durchgesetzt: "Die Strategie der Angstmache ist gescheitert", sagte der Vorsitzende des Vida-Fachbereichs Luftfahrt, Daniel Liebhart. Die Laudamotion-Führung hatte die Wahl im Vorfeld für nichtig erklärt.

Scharfe Kritik an Geschäftsführung

Vida sowie der Pilotenverband ACA üben scharfe Kritik am Vorgehen gegen den Betriebsrat und dessen Neuwahl. "In diesem Unternehmen, das sich hier mittelalterlicher Methoden bedient, mangelt es offensichtlich an Demokratieverständnis", erklärte Liebhart. Die Austrian Cockpit Association warnt vor einem Versuch, österreichisches Arbeitsrecht zu unterwandern.

"Angst und Druck auf das Personal auszuüben und es über Lohn- und Sozialdumpingkonstrukte zu beschäftigten, sind seit langem bekannte Managementwerkzeuge von Ryanair, die jetzt offenbar auch bei Lauda immer deutlicher Einzug halten", kritisierte Liebhart. "Derzeit tun sich bei Ryanair Gräben auf, die eines Unternehmens, das in Österreich tätig ist, nicht würdig sind."

Die ACA findet die Entwicklungen besorgniserregend. Es seien vier Mitarbeiter gekündigt worden, weil sie ihre teils sicherheitsrelevanten Zusatzfunktionen zurückgelegt hatten. Wegen der neuen Leiharbeitskonstruktion befürchtet die ACA Strafversetzungen.

Problem Krankenstand

Laut ACA erhalten Laudamotion-Mitarbeiter, sobald eine höhere Anzahl an Krankenstandstagen im System registriert wird, einen Brief vom Chef. Die Pilotenvereinigung warnt: "Als PilotIn nicht 100-prozentig gesund in ein Passagierflugzeug zu steigen erachten wir als ein erhebliches Risiko für die Flugsicherheit." Die ACA plädierte am Mittwoch für eine gelebte Sicherheitskultur. Die österreichischen Behörden seien gefordert zu prüfen, ob die Vorgangsweise der Geschäftsleitung den Gesetzen entspricht.

In der Tat prüft die Aufsichtsbehörde derzeit die Fehlerkultur bei der Ryanair-Tochter. Die Austro Control hat eine "Just-Culture-Untersuchung" eingeleitet, wie DER STANDARD bereits im September berichtete. Dabei geht es um die Frage, ob Mitarbeiter Fehler nicht mehr melden, weil sie damit rechnen müssen, für gemeldete Mängel belangt zu werden. Die Prüfung könnte drei Monate oder länger dauern, im schlimmsten Fall könnte der Entzug der Fluglizenz drohen. (APA, 9.10.2019)