Blumen und Kerzen werden vor der Synagoge in Halle niedergelegt.

Foto: REUTERS/Fabrizio Bensch

Es hätte ein schöner Abend werden sollen. In Leipzig feierten viele am Abend des 9. Oktober ein Fest zur Erinnerung an die Demonstrationen vor 30 Jahren, die vier Wochen danach, im Jahr 1989, zum Mauerfall führten. Doch es ist nicht das Bild des "guten Deutschland" mit seiner friedlichen Revolution, das bleibt.

Nicht weit entfernt, in Halle an der Saale, zeigte sich das hässliche Deutschland in seiner schlimmsten Form. Ein rechtsextremer Judenhasser tötete am Jom-Kippur-Feiertag zwei Menschen, dass es nicht noch viel mehr Todesopfer in der Synagoge gab, ist nur den Sicherheitsvorkehrungen zu verdanken. Die Tat zeigt ganz klar, was viele in Deutschland nicht wahrhaben wollen oder was ihnen auch egal ist: Juden können sich nicht sicher fühlen. Davon zeugen auch die vielen Angriffe auf jüdische Mitbürger in der Öffentlichkeit.

Keine isolierte Betrachtung

Sie werden bespuckt, bedroht und geschlagen, ihre Friedhöfe werden beschmiert, Stolpersteine, die an Holocaust-Opfer erinnern, beschädigt. Die schreckliche Tat kann nicht isoliert betrachtet werden, sie passiert in einem Klima, das sich in den vergangenen Jahren stetig verschlechtert hat. Noch sind viele Fragen offen.

Auch wenn der Täter allein handelte, gibt es vielleicht doch ein Netzwerk Gleichgesinnter, die zu weiteren Gewalttaten bereit sind. Warum hatte die Synagoge ausgerechnet am Jom-Kippur-Tag keinen Polizeischutz? Eine Lehre jedoch muss Deutschland auf jeden Fall ziehen: Der Kampf gegen Antisemitismus gehört auf allen Ebenen wieder verstärkt. Deutschland hat eine historische Verantwortung, es darf hier niemals nachlassen. Und dazu gehört auch, all jenen in der AfD entgegenzutreten, die meinen, man könnte jetzt mal einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit des Landes ziehen. (Birgit Baumann, 10.10.2019)